Wardenburg - Als der Gemischte Chor Wardenburg vor 70 Jahren gegründet wurde, war Wolfgang Kaps gerade zwölf Jahre alt. Heute ist er mit 82 Jahren das älteste Chormitglied, aber noch immer gut bei Stimme.

Drei Männer und 17 Frauen im Alter von 58 bis 82 Jahren gehören zum Gemischten Chor Wardenburg, viele von ihnen halten der Gruppe schon seit vielen Jahren die Treue. Die erste Vorsitzende, Ute Griem, ist beispielsweise schon seit 30 Jahren dabei, Chorleiterin Helga Eilers sogar seit 40 Jahren. Nur der Nachwuchs fehlt – wie in vielen anderen Chören auch. „Das ist schade. Viele denken, wir würden nur alte Volkslieder wie ‚Am Brunnen vor dem Tore‘ singen. Dabei haben wir längst ein breites Repertoire, von Schlagern und Operetten über Volkslieder bis zu Pop“, erklärt Helga Eilers.

1947 dagegen hatte der Chor noch regen Zulauf: Sieben Gründungsmitglieder hatte der Chor in jenem Jahr, drei Jahre später sangen hier schon 49 Männer und Frauen. Neben der Musik stand immer auch die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Sängerbälle mit dem Männergesangverein, Kontakte zur Eelder Operettenvereinigung ADO und zur Partnerstadt Röbel, das jährliche Abschlusssingen und gemeinsame Ausflüge prägen die Jahre. Traditionell gesetzt ist ein Termin: An Heiligabend wird in jedem Jahr um 22 Uhr in der Kirche gesungen.

„Singen hält gesund“, ist Wolfgang Kaps überzeugt. „Mein Arzt ist immer erstaunt über mein Lungenvolumen“, erzählt er. Gemeinsam mit Wilfried Köhrmann und Peter Klawon ist er der Tenor im Chor. Eigentlich, sagt Klawon, singe er Bass. „Aber jetzt verstärke ich den Tenor – sonst klingt das nicht.“ Bei nur drei Männerstimmen muss man eben zusammenhalten und ein bisschen flexibel sein.

Gern erinnert sich der Chor noch an sein Jubiläumsfest zum 50-jährigen Bestehen im März 1997, an dem acht Gastchöre teilnahmen. Zur 60-Jahr-Feier vor zehn Jahre hatte man Kleider aus den 40er Jahren aus dem Kostümfundus von ADO geliehen und unter dem Motto „Schön war die Zeit“ eine Bühnenshow gezeigt. Das 86. Bundessängerfest 2010 in Wardenburg, der Auftritt auf der 750-Jahr-Feier in Röbel, die Scheunenkonzerte im Seminarhof Oberlethe, die Aufnahme der CD „Lied für Wardenburg“, der Sängerball in diesem Frühjahr mit dem Männergesangverein, dem evangelischen Kirchenchor und dem Chor Achternmeer – die Liste der Highlights ist lang. Und doch schwingt zum 70-jährigen Bestehen etwas Wehmut mit: Viele, die den Verein prägten, sind nicht mehr dabei. Eines aber ist auf jeden Fall geblieben: „Die Freude am Singen, an der Musik und der Geselligkeit“, bringt es Ute Griem auf den Punkt, und die anderen am Tisch nicken bekräftigend.

Der Chor trifft sich erstmals nach den Ferien am Donnerstag, 10. August, um 19.30 Uhr zur Probe im Wardenburger Hof. Weitere Singstimmen sind herzlich willkommen.