Varel/Las Palmas - Jahrelang haben Helga und Günter Brinkmann davon geträumt, einmal ein Segelboot zu besitzen und ohne Zeitdruck damit in Europa zu segeln. Seit gut acht Jahren lebt das Ehepaar aus Varel diesen Traum. Derzeit liegen die 60-Jährige und der 62-Jährige mit ihrer „Helgoland“ im Hafen von Las Palmas, Gran Canaria. Seit fast sechs Jahren ist Duffy ihr ständiger Begleiter. Den Hund nahmen sie im Winter 2006/ 2007 in Griechenland an Bord, als er vier Wochen alt und fast verhungert war.
Auch dieses Winterquartier in Methana am Peloponnes war international: eine Kanadierin, drei Franzosen, eine Walliserin, ein Argentinier, ein Holländer. „Das war eine supertolle Gemeinschaft, jeden Sonntag von 13 Uhr bis weit nach Mitternacht gab es ein Barbecue mit Musik, Tanz und Wein“, erzählt Helga Brinkmann, die täglich das Erlebte aufschreibt und Geschichten ohne Ende erzählen kann.
In See gestochen sind die beiden Vareler am 13. Juni 2004. Sie vermieteten ihr Haus und leben von dem Geld. Das Segelboot gehört ihnen seit 1996: eine Hallberg Rassy von 1971: 10,50 Meter lang, 3,05 Meter breit, 1,30 Meter Tiefgang, mit Achterkajüte und Mittelcockpit. „Geplant hatten wir ein Leben an Bord erst für unseren Ruhestand“, sagt Helga Brinkmann, die schon seit 1973 mit ihrem Mann und den Kindern auf Nord- und Ostsee sowie holländischen Wasserstraßen Erfahrungen gesammelt hatte.
Als es losging, war der Mast gelegt und die zwei fuhren mit Motorkraft los. Weser, Hunte, Küstenkanal, Ems, Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal, Rhein. „Vor dem Rhein hatten wir mächtigen Respekt. Mit den Fahrrädern fuhren wir immer die Tageetappe ab und beobachteten die Berufsschifffahrt“, berichtet Helga Brinkmann. „In den Vereinen wurden wir immer herzlich aufgenommen und erlebten so manches Grillfest.“ Über den Main, Main-Donau-Kanal und die Donau ging es ins Schwarze Meer. „Ein Kran stellte unseren Mast auf, und wir konnten endlich segeln.“ Sie segelten an den türkischen und griechischen Küsten entlang, besuchten viele Inseln. Malta, Tunesien, Sizilien, Italien, Sardinien, Korsika, Elba, die Balearen, Spanien, Gibraltar, Portugal und nun die kanarischen Insel. Es gibt wenig Orte im südlichen Europa, die Helga und Günter Brinkmann nicht gesehen haben. Ab und an muss das Segelboot aus dem Wasser, um den Rumpf überholen zu lassen, zuletzt in diesem Frühjahr in San Juan auf Teneriffa.
Übers Internet halten Günter und Helga Brinkmann Kontakt zu Kindern und Enkeln. In den acht Jahren waren sie ein paar Mal in Varel. Gleich im ersten Winter hatte es einen Todesfall in ihrem Freundeskreis gegeben. Bei der Taufe und Einschulung ihrer Enkel waren sie auch dabei. Sohn und Schwiegertochter besuchten sie in ihrem Winterquartier in Tunesien.
„Fast täglich lernt man neue Leute kennen“, sagt Helga Brinkmann. „Fast überall in den Häfen oder auf den Ankerplätzen sind auch deutsche Segler unterwegs. Man tauscht Bücher, Filme und hilft sich gegenseitig bei Problemen. Abends sitzt man bei einem Glas Wein zusammen und spinnt Seemannsgarn.“
Von Gran Canaria, wo sie seit drei Monaten sind und wo sie ihre Tochter mit Mann und Kindern aus Varel besucht haben, wollen die Brinkmanns nun nach Fuerteventura segeln – sofern der Wind das zulässt. Wo sie den kommenden Winter verbringen, wissen sie noch nicht. „Interessieren würden uns noch Madeira, die Azoren und Marokko.“
