Wildeshausen - „Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Winde verweht, ein perlmutterner Schauer glitzert, flimmert, vergeht.“ Ob Hermann Hesse sein Gedicht „Blauer Schmetterling“ dem Silbergrünen Bläuling gewidmet hat, in unklar. Sicher ist jedoch, dass dieser kleine Schmetterling das Insekt des Jahres 2015 ist.
„Aufgrund der Wetterkapriolen habe ich den Silbergrünen Bläuling in diesem Sommer nicht bei uns entdeckt, wohl aber den Argus-Bläuling und den Faulbaum-Bläuling“, erläutert Dieter Sejtka, Botschafter des Kuratoriums „Insekt des Jahres“. In dieser Funktion verteilt der Wildeshauser Faltblätter und Plakate an Naturschutzbehörden, Forstämter, Schulen und andere im Naturschutz Tätige, „damit etwas mehr Wissen zu den Menschen gelangt“.
Kurz vor Aumühle sowie auf dem Pestruper Gräberfeld gibt es seit vielen Jahren Halteflächen für die Bläulinge. Der Argus-Bläuling ziert sogar das Hinweisschild am Eingang des Gräberfeldes.
Die Bestimmung des kleinen Falters ist schwierig. Nur das Männchen des Silbergrünen Bläulings besitzt auf der Oberseite der Flügel das unverwechselbare hellsilbrige Blau mit einem braunen Flügelsaum. Das Weibchen hat hingegen samtbraune Flügel und ist deshalb leicht zu verwechseln.
Eigentlich, so Sejtka, müsste neben dem Bläuling auch eine Ameise auf dem Hinweisschild zum Gräberfeld sein. Die Raupen des Bläulings sind nämlich myrmecophil, das heißt „sie gehen seltsame Liebschaften mit den Ameisen ein“, erläutert der emeritierte Vizepräsident der Deutschen Ameisenschutzwarte. Und weiter: „Die Raupen besitzen spezielle Drüsen, aus denen sie ein süßes Sekret ausscheiden, das die Ameisen fressen. Als Gegenleistung verteidigen die Ameisen ihre Raupen gegen Feinde.“
Sejtka, der schon seit 1985 im Natur- und Ameisenschutz in verschiedenen Funktionen tätig ist, weiß wovon er spricht. Das ungünstige Wetter im Frühling – ziemlich trockene Tage, dann Kälte – habe nicht nur den Bläulingen auf dem Gräberfeld das Leben schwer gemacht. Auch die Heide habe Trockenschäden. „Die Blüte war spät, ein Teil war schon vorher vertrocknet“, konstatiert der Naturexperte. Dennoch sei das Pestruper Gräberfeld nach wie vor ein Eldorado für die verschiedensten Wildbienen-, Ameisen-, Schmetterlings- und Käferarten.
„Unter den Insekten sind sicherlich auch einige schöne, die als Straßennamen geeignet sind“, erinnert der Naturschützer an seinen bereits vor längerer Zeit bei der Stadt gestellten Antrag. Wenn die nächsten Baugebiete ausgewiesen werden, soll konkret über ein Insektenviertel nachgedacht werden, hieß es damals aus dem Stadthaus.
Und auch wenn es bis dahin noch etwas dauert, wird das die Faszination angesichts der vielfältigen Insektenwelt auf dem Gräberfeld nicht mindern. Oder, um es mit Hesses „Blauem Schmetterling“ zu sagen: „So mit Augenblicksblinken, so im Vorübergehn sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn.“
