Bremen - Aus dem akademischen Vortrag eines Professors zum 450. Geburtstag von William Shakespeare wird nichts. Erst spielt die Technik verrückt. Dann passiert das Ungeheuerliche: Das, worüber der Experte spricht, wird lebendig. Plötzlich stehen Figuren der Shakespeare-Dramen auf der Bühne und reden mit. An diesem Mittwoch, 23. April, zeigt die Bremer Shakespeare Company die zweistündige Uraufführung „Wie es Will gefällt“ von Jessica Swale, eine überraschende Hommage voller Zeitsprünge und Zitate.
Der Londoner Regisseur Raz Shaw lässt die Figuren in Anzug, Rüschenkleid, Lackstiefeln und Leopardenmantel zu Lautenklängen und Filmmusik aufeinander los. Im turbulenten Streit geht es in dieser Komödie um die Frage, welches Shakespeare-Werk das wichtigste ist und warum Frauen darin nur Nebenrollen haben. In einem Rap rebellieren – wie sie sich selbst nennen – Zicken, Hexen und Huren: „Wir wollen nicht an die Macht, nur einen einzigen Monolog, der so richtig kracht.“ Es geht um Ehrgeiz und Eifersucht und die ewige Sehnsucht, die Rampensau zu sein.
Mit der Hommage feiert die Bremer Shakespeare Company nicht nur ihren Hausautoren, sondern gleichzeitig den eigenen runden Geburtstag. Das selbstverwaltete Künstlerkollektiv spielt seit 30 Jahren. Sieben Schauspieler hatten das Theater in der Spielzeit 1983/84 in Bremen gegründet, eine Truppe ohne Hierarchien, in der alle das gleiche verdienen und die Schauspieler sich bis heute selbst schminken.
Neben mehr als 50 Shakespeare-Inszenierungen und internationalen Gastspielen gab es auch hier Grabenkämpfe. Geblieben sind das Theater am Leibnizplatz in der für mehr als vier Millionen Euro umgebauten Schul-Aula und die Neugier, Shakespeare und seine Werke jedes Mal wieder neu zu entdecken und zu übersetzen.
Bis heute lebt das 30-köpfige Team die Shakespeare-Idee von einem Theater für alle. Dazu passt, dass die Schauspieler ihr Publikum anfangs im Foyer begrüßen und bei der Platzsuche helfen, um im nächsten Moment auf der Bühne liebende, abgrundtief böse oder radikal einsame Menschen zu spielen. Mitten in Bremen geht es um derbe Anmache, verbotene Lust, Verwechslungskomödien und Herrschertragödien, eine Mischung aus Krimi und Komik also.
Langweilig ist die Konzentration auf Shakespeare für Schauspieler Peter Lüchinger auch nach 25 Jahren nicht: „Es ist ein Geschenk, mit dem Autor älter zu werden und dadurch den eigenen Standpunkt zum Werk zu verändern.“ Shakespeares Worte seien so groß, dass man darin immer Neues entdecken könne.
Schauspielkollegin Petra Janina-Schultz, diesmal gleich in vier Rollen zu erleben, fasziniert, dass es bei diesem Autor - im Gegensatz zu Goethe und Schiller - weder Pathos noch viel Erklärerei gibt: „Shakespeare ist nicht klüger als sein Publikum, das macht mir extrem viel Freude.“ Seine Texte seien wie ein Herzschlag, das Publikum könne die Entwicklung der Figuren Schritt für Schritt erleben.
Bei Kuchen und knallenden Korken würdigt die Bremer Shakespeare Company ihren Dichter deshalb mit dem Zitat aus einem seiner Liebesgedichte: „So lange Menschen atmen, Augen sehn, wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.“
