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Antialkoholiker In Zetel Sie haben sich gegenseitig das Leben gerettet

Zetel - Letztendlich gibt es nur zwei Möglichkeiten für einen schwer Alkoholabhängigen: Alles verlieren – die Frau, den Job, das Haus – und sterben, oder sich Hilfe holen. Die Alkoholkranken, die montags bei Kaffee und Kuchen an Tischen zusammensitzen, die mit Blumen und Kerzen dekoriert sind, und sich einen schönen Abend machen, haben die zweite Option gewählt. Sie sind Teil der Gemeinschaft der Guttempler in Zetel geworden. „Wenn ich diesen Schritt nicht gemacht hätte, wüsste ich nicht, ob ich heute noch da wäre“, sagt der Vorsitzende Andreas Hußmann ganz offen.

Keine Geheimnisse

Andreas Hußmann ist seit zwölf Jahren Vorsitzender der Zeteler Guttempler. Mehr als zwanzig Mitglieder treffen sich jeden Montagabend im Gemeindehaus am Corporals­kamp. Sie nennen sich Geschwister, haben keine Geheimnisse voreinander und können so offen miteinander reden, weil sie alle das gleiche Schicksal teilen: Alkoholabhängigkeit hat um ein Haar ihr Leben zerstört – entweder die eigene Alkoholabhängigkeit oder die des Partners. „Die Angehörigen haben sogar das schwerere Los, weil sie oft jahrelang für ihren Partner lügen und so ohne eigene Schuld vieles verlieren“, sagt Andreas Hußmann.

Er ist 52 Jahre alt, mit 37 Jahren hat er aufgehört zu trinken. Es war seine Frau, die sich damals an die Guttempler gewandt hat. Andreas Hußmann wollte keine Hilfe – schließlich hatte er ja kein Problem. Aber als ihn die Polizei bei einer Spritztour kontrollierte und er wegen Alkohols am Steuer seinen Führerschein verlor, war der Punkt gekommen, an dem er etwas tun wollte.

Er hat damals, wie die anderen Guttempler auch, einen Eid geschworen, sein Leben ohne Alkohol zu leben. Und er hat es geschafft. Heute hat er längst sein herzliches Lachen und die Kontrolle über sein Leben zurück.

Zu Beginn der Guttempler-Treffen schlägt er dreimal mit einem kleinen Hammer auf den Tisch, alle erheben sich und es werden Sprüche vorgelesen. Dann folgt ein weiterer Hammerschlag, und alle setzen sich wieder hin. „Struktur ist wichtig für uns. Sie hilft uns, das Richtige zu tun“, sagt Andreas Hußmann. Dann wird Kaffee getrunken. „Ein bisschen ist Kaffee auch eine Ersatzdroge“, gibt er zu.

Die Guttempler sprechen ganz offen über ihre Krankheit, darüber, wie sie in die Abhängigkeit geraten sind und wie sie es geschafft haben, die Entscheidung für das Leben zu treffen. Sie wollen damit anderen Mut machen. Sie sehen keinen Grund, sich hinter Anonymität zu verstecken.

Einer von ihnen ist Georg Gerdes. „Ich hatte eine tolle Kindheit mit viel Freizeit, in der Schule war alles ok und anschließend habe ich eine Lehre gemacht. Aber egal ob beim Boßelverein, bei den Schützen, beim Turnverein oder später bei der Bundeswehr – es fehlte immer die kritische Distanz zum Alkohol“, sagt er. „Alkohol zu trinken war einfach immer normal.“

Freunde sterben gesehen

Später war er Supermarktleiter und verlor seinen Job. Er fand eine neue Stelle, aber auch da fiel schnell auf, was mit Georg Gerdes nicht stimmte. „Mein Chef sagte, wenn ich nicht etwas ändere, fliege ich raus. Meine Frau sagte, wenn ich weiter trinke, haut sie ab, und mein Arzt sagte, wenn ich nicht aufhöre, werde ich sterben.“

Also war auch für ihn die Zeit gekommen, in der er sich entscheiden musste. Er entschied sich für das Leben, machte eine Entgiftung. „Ich hatte viele Freunde, die grausam am Alkohol gestorben sind“, sagt er. Das ist schrecklich, und auch, was er selbst erlebt hat, ist schrecklich. Aber Georg Gerdes kann wieder lachen, denn er ist stolz darauf, dass er es geschafft hat: dass er lebt, und zwar ohne Alkohol.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Kanalmanagement
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