Seefeld - Felina Hartmann liebt die deutsche Sprache. Und deshalb spielt sie auch gern mit ihr. Eine neue Spielart heißt Blackout-Poetry – und dieses Spiel will Felina Hartmann in die Seefelder Mühle bringen.

Schon seit einem guten halben Jahr leistet die 19-Jährige in dem Kulturzentrum ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ab. Und dazu gehört – wie bei ihren beiden Vorgängerinnen Leonie Lagemann und Fabienne Brix – ein besonderes Projekt. Felina hat sich für Blackout-Poetry entschieden – eine Form der Poesie, die vom Schwärzen der Schriftsprache lebt.

„Wir nehmen beispielsweise eine Zeitungsseite und schwärzen den größten Teil der Texte“, erläutert Felina Hartmann. „Was übrig bleibt, ist Poesie.“ Im Frühsommer will sie einen Kursus veranstalten, in dem sich Interessierte in dieser Kunstform üben können. Einige Seiten werden anschließend in der Mühle ausgestellt.

Das wird eine neue Erfahrung nicht nur für die Seminarteilnehmer und die Ausstellungsbesucher, sondern auch für Felina Hartmann selbst. Und genau dafür ist sie nach Seefeld gekommen.

Aufgewachsen ist Felina Hartmann in Leese bei Nienburg, einem ähnlich kleinen Dorf wie Seefeld. Anders als Seefeld hat es aber kein Kulturzentrum. Dennoch hat sich Felina immer für Kultur interessiert, spielte Geige, seit sie fünf war, und brachte sich selbst das Gitarrespielen bei.

Viel Zeit verbringt sie mit Sport. Im TuS Leese hat sie nicht nur geturnt, sondern organisierte als Mitglied des Jugendausschusses auch Veranstaltungen des Vereins für jüngere Mitglieder – eine gute Grundlage für die Arbeit im Mühlenbüro.

Freunde empfahlen ihr das Freiwillige Soziale Jahr Kultur, weil sie nicht so recht wusste, wie es nach dem Abitur für sie weitergehen sollte. Über die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) kam sie zu einem Vorstellungsgespräch in die Seefelder Mühle. „Es hat mir sofort gefallen“, erzählt Felina Hartmann. „Uns ging es mit Felina genauso“, erwidert Cornelia Iber-Rebentisch. Die 2. Vorsitzende des Mühlenvereins, eine gelernte Lehrerin, hat die junge Frau gleich unter ihre Fittiche genommen.

30 Stunden in der Woche kümmert sich Felina Hartmann jetzt um Pressearbeit, Informationsblätter, den Online-Auftritt und begleitet Kulturveranstaltungen am Wochenende. Zudem wagt sie sich als Darstellerin im Jugendtheater der Mühle auf Neuland.

Mit ihrer offenen, herzlichen Art kommt sie in Seefeld gut an, schnell hat sie Freunde gefunden. Selbstverständlich bleibt sie sportlich aktiv: Sie voltigiert in Stollhamm und turnt beim TuS Schwei.

An ihrer Arbeit im ländlichen Kulturzentrum Seefelder Mühle schätzt Felina Hartmann vor allem, dass sie eigenverantwortlich handeln kann. „Das wird mir beim Studium zugute kommen“, sagt sie, und Cornelia Iber-Rebentisch, deren drei Kinder ebenfalls nicht gleich von der Schulbank in den Hörsaal gewechselt sind, nickt dazu.

Und inzwischen weiß Felina Hartmann auch, was sie studieren will: Kreatives Schreiben. Sie hat sich um einen Studienplatz in Leipzig beworben, aber der Andrang ist groß.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland