Oldenburg - Er ist Halbfranzose, wohnt in Bremen und hat Plattdeutsch auf der Volkshochschule gelernt. Die Dünen auf Norderney haben ihn inspiriert, ein Lied über den „Sünnünnergang“ zu texten. Mit seiner eigens für den Plattsounds-Wettbewerb gegründeten Band „Manninnetünn“ begeisterte Jean-Oliver Groddeck (23) die rund 400 Zuschauer in der Oldenburger Kulturetage.

Den originellen Ukulelen-Auftritt des Trios belohnte die Fachjury schließlich mit Platz zwei. Besser schnitt nur die Formation „Lichtjahr“ aus Hannover ab, die am Sonnabend die dritte Auflage des „plattdüütschen Bandcontests“ gewann.

Geschichten wie die von Groddeck sind typisch für diesen Wettbewerb. „Auf Platt klingt alles viel sympathischer als auf Hochdeutsch“, schwärmte der Rotschopf von den Ausdrucksmöglichkeiten. „Manninnetünn“ bedeutet übersetzt so viel wie „Donnerwetter“ – ein Lob, das sich alle zehn Formationen beim Finale in Oldenburg verdienten. Der „Bob Dylan“ aus Braunschweig ebenso wie Solist Ralf Meyer (Aurich) oder die „Spinning Wheels“ aus Oldenburg, die im Vorfeld die Internet-Abstimmung und somit den Publikumspreis gewonnen hatten.

„Tro di wat, snack Platt“ – der Aufforderung auf dem Bühnen-Plakat kamen die Nachwuchsmusiker (Höchstalter 30) nach. Sie trauten sich, zeigten keine Berührungsängste. Alle sangen im Dialekt, obwohl viele von Haus aus gar kein Platt sprechen. Doch das war kein Hindernis, weil die Initiatoren des von der Oldenburgischen Landschaft und sieben weiteren niedersächsischen Regionalverbänden unterstützten Wettbewerbs Nachhilfe gaben und beim Einsingen halfen. So trugen alle Bands ihre Beiträge textsicher vor.

Beachtlich war vor allem der abwechslungsreiche Stilmix, der von der Ballade über Pop, Elektro-Soul bis hin zu hartem Punkrock reichte. „Wir freuen uns, dass sich so viele junge Musiker intensiv mit der Sprache beschäftigen“, bilanzierte Veranstalter Thorsten Börnsen zufrieden: „Die Bands haben ihr Repertoire dadurch erweitert und sind bei ihren Auftritten nun wichtige Multiplikatoren des Plattdeutschen.“

So wie die „Fofftig Penns“, die in der Pause die Halle rockten. Sie haben den Sprung aus der Nische bereits geschafft und vertraten Bremen in diesem Jahr beim Bundesvision Song Contest. Gute Ansätze zeigten aber auch die zehn Kandidaten beim Plattdeutsch-Grand-Prix. Die Gewinner von „Lichtjahr“ aus der Hochdeutsch-Hochburg Hannover überzeugten mit ihrer Bühnenpräsenz und dem Pop-Beitrag „Achterbahn“. Ihnen überreichte Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic den mit 1000 Euro dotierten Preis.

„Musik auf Platt funktioniert“, sagte die Rheinländerin nach ihrer Plattsounds-Premiere. „So exotisch klang das gar nicht in meinen Ohren. Eine grobe Peilung worum es geht, habe ich“, sagte die 51-Jährige. „Typisch Politiker“, scherzte Moderator Ludger Abeln, der mit Sängerin Annie Heger zweisprachig durch den Abend führte. Das Schlusswort gehörte den Gewinnern von Lichtjahr. „Wir sind Platt“, hauchte der Gitarrist vielsagend ins Mikrofon. Manninnetünn!