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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Siggi räumt im Drachen auf

28.09.2009

WILHELMSHAVEN Shakespeare hätte es gefallen. Der Meister der Komödie hätte vermutlich Luftschlangen und Tröten im Publikum verteilt und nachhaltig um deren Gebrauch gebeten, wie dies zu seiner Zeit üblich war.

Manch anderer hingegen rieb sich die Augen am Sonnabend im Stadttheater, was da aus dem schicksalsschwer-blutigen Sagenschatz um die Nibelungen geworden ist. Olaf Strieb machte in seiner ersten Inszenierung als neuer Oberspielleiter der Landesbühne Nord aus dem Pathos geschwängerten Stoff in der neuen Adaption von Katharina Gericke eine grelle Farce mit Hintersinn. Zu Recht wurde viel gelacht.

Holde Kriemhild

Strieb zeigt die Nibelungen als einen degenerierten Haufen kurz vor dem Untergang. König Gunther (Fabian Döring) ist ein wehleidiges Weichei, der Verräter Hagen von Tronje (Björn Klein) ein mäßig verschlagener Verschnitt von Pirat Jack Sparrow („Fluch der Karibik“), Königsmutter Ute (Sibylle Hellmann) eine Art Reichsgouvernante mit Handtäschchen und die holde Kriemhild (Claudia Friebel) ein sehr verhuschtes Hascherl mit 50er-Jahre-Zöpfen.

Man mag diese Kostümierung unfair finden, doch so wird immerhin deutlich: Gegen die Übermacht von Etzels Hunnen und den Christen Ostroms haben diese Wormser keine Chance.

Und dann ist da dieser Siegfried! Mit trotzigem Stolz setzt er (Florian Monasterios) sich die blonde Perücke von Sonnengott Balder aufs Haupt. Der Kampf gegen, ja sogar im Drachen – von der Requisite übrigens wunderbar gelöst – wird zu einem Happening, in dem Siggi ordentlich aufräumt und amüsierten Szenenapplaus einstreicht.

Dann badet er mit rotem Plüschherz vor der Scham im Drachenblut und wird endgültig zu jenem gestählten Arroganzpinsel, den jedes Schulkind kennt. Doch Hochmut kommt auch bei den Nibelungen vor dem Fall.

Komische Laute

Die Regie nutzt das auf drei Horizont-Ebenen angelegte originelle Bühnenbild von Cornelia Brey, um die Figuren wie Handpuppen auf- und abtauchen, umfallen und herumwirbeln zu lassen. Dazu machen sie komische Laute und üben sich in wildem Slapstick, immer mal wieder eingehüllt in dichten Bühnennebel.

Regisseur Strieb sucht mit modernem Humor nach neuen Sinnebenen in einem uralten Stoff. Das ist nicht jedermanns Sache, aber eines ist es sicherlich auch nicht: langweilig.

Karten: 04421/940 10

Alle NWZ-Theaterkritiken: www.NWZonline.de/theater

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