SILLENSTEDE - Selbst der Bischof Peter Krug wird an diesem Sonntag, 15. Juli, den Gottesdienst in der Sillensteder St. Florian-Kirche mitgestalten. Trotzdem wird er nicht im Mittelpunkt stehen, kommt er doch, um dem Prunkstück der Kirche seine Referenz zu erweisen. Seit 250 Jahren erklingt die Johann-Adam-Berner-Orgel in der Kirche.
Trotz einiger Reparaturen, An- und Umbauten im Laufe der Jahrhunderte, sind in dieser Orgel noch zehn der 21 Register im Originalzustand erhalten, wie sie der westfälische Orgelbauer Johann Adam Berner im 18. Jahrhundert erbaut hat. Das ist eine der Besonderheiten dieser Orgel.
So wird der Gottesdienst am Sonntag ganz im Zeichen dieses Jubiläums stehen. Ingrid Sturm wird auf der Orgel Stücke spielen, deren Entstehung in den letzten 250 Jahren liegt und die in der Vergangenheit auf dieser Orgel gespielt worden sein könnten. Außerdem hat Pastor Wolfgang Machtemes eine Ausstellung zur Geschichte des Instruments zusammengestellt, die Dokumente zur Entstehung und den Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte zeigt.
„Die Orgel hat damals 6000 Goldtaler gekostet. Wenn man sich vorstellt, dass ein mittlerer Beamter zu der Zeit etwa 100 Goldtaler pro Jahr verdiente, ist das schon eine gewaltige Summe“, betont Machtemes. Finanziert wurde die Orgel damals zum größten Teil vom Fürstenhaus Anhalt-Zerbst, zu dem Jever und Sillenstede damals gehörten, und der Kirche. Aber auch die Sillensteder trugen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Bau bei. So spendeten sie 530 Goldtaler und halfen darüber hinaus mit Baumaterialien.
Auch wenn die 1757 erbaute Orgel eigentlich nicht als Konzertinstrument konzipiert war und eher dazu dienen sollte, den Gesang der Gemeinde zu unterstützen, wird sie heute auch als Konzertinstrument genutzt. Von Juni bis September finden beim Sillensteder Orgelsommer wöchentlich jeweils am Sonnabend ab 18 Uhr Orgelkonzerte in der Kirche statt.
Der Prospekt der Orgel ist vollkommen aus Lindenholz gefertigt. Besonders auffällig sind die Engelsplastiken und Malereien der Orgel. Der Pfeifenbestand der Orgel ist noch etwa zu zwei Dritteln original erhalten. Das gesamte Orgelwerk wurde 1993 grundlegend restauriert, die letzte größere Reparatur datiert von 2004.
