Ganderkesee - Wer noch immer unsicher ist, wie er mit Dunkelhäutigen umgehen oder welche Bezeichnung er für Menschen mit einer Hautfarbe dunkler als die des gemeinen Westeuropäers wählen sollte, dem sei der Besuch eines Auftritts von Marius Jung empfohlen. Der gebürtige Trierer „mit Migrationshintergrund aber ohne Migrationserfahrung“ sagt von sich, er sei ein Schwarzer. Und er hat ein „Handbuch für Negerfreunde“ geschrieben, das ihm zuerst einen Rassismus-Preis, in der Folge aber auch einen enormen Bekanntheitsgrad eingebracht hat. Das Buch wurde daraufhin zum Bestseller.
Inzwischen – das ließ Jung am Donnerstagabend bei seinem Auftritt in der Mensa des Schulzentrums Ganderkesee durchblicken – habe sogar besagtes „Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des StudentInnen-Rats“ verstanden, dass sein Buch einen satirischen Hintergrund hat und alles andere als rassistisch ist. Und so stellte der Comedian gegenüber seinen rund 50 Zuschauern gleich zu Beginn seines Programms klar, „heute mal keinen Unterschied zwischen Mensch und Neger“ machen zu wollen und dass Lachen durchaus auch dann erlaubt ist, wenn die vermeintliche politische Korrektheit nicht einhalten wird.
Was folgte, war ein temporeicher Mix von (teils bitterbösen) Verhaltensregeln, Erfahrungsberichten und Musik. „Singen können die alle!“ hat Jung sein Programm überschrieben – eine Anspielung auf ein gängiges Klischee. Und ja, Jung kann singen. Ob es nun seinem Talent, der Gesangsausbildung oder einem einem ganz anderen Einflussfaktor zu verdanken ist: Von Bobby Hebbs „Sunny“ bis hin zu seiner sehr eigenen Version der Nationalhymne, die klassisch begann und in der Dancefloor-Variante endete, überzeugte der Comedian, Schauspieler und Coach aus Köln gleichermaßen.
Dem Ganderkeseer Publikum gefiel’s. Erst nach einer Zugabe entließen sie Marius Jung von der Bühne an seinen Büchertisch, vor dem sich nach dem Auftritt Schlangen bildeten. Das Schiller-Zitat zum Schluss des Programms war vorhersehbar, versetzte dem politisch korrekt sozialisierten Zuschauer dann aber trotzdem noch einmal einen fiesen Stich ins Herz: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen!“
