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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Singende Blockflöte betört Zuhörer

01.08.2014

Sengwarden Das klingt aber verflixt modern. Schräge Akkorde in Aufwärtssequenzen, Arpeggien. Der Herr mit dem bauchigen, langhalsigen Ins­trument auf den Knien bewegt sich und seine flinken Finger zwischen spanischen Gitarrenklängen, Mandolinentechnik und fremdartigen Melodien. Die Dame neben ihm swingt sich ein, mischt sich ein mit rhythmisch raffinierter col legno-Percussion auf ihrem kurzhalsigeren, schlankeren Celloverwandten zwischen den Knien.

Wenn Lee Santana und Hille Perl auf Theorbe und Gambe einen 370 Jahre alten Ballo von Kapsberger interpretieren, denkt man eher an animierenden modern Freestyle als an Frühbarock. Den liefern die beiden später mit einer Gambensonate von Bertali nicht minder virtuos nach.

Den größten Teil des ausverkauften Gezeitenkonzertes am Mittwoch in Sengwarden aber sind die zwei Saitenkünstler verlässlicher Boden, orchestraler Rahmen und „Spielgefährten“ des Blockflötisten Maurice Steger, die seine Kapriolen ebenso wie seinen Schabernack mitmachen.

Von solchen Musikern getragen zu werden, muss für Steger ein Traum sein. Für die Blockflötenbegeisterten unter den Hörern jedenfalls wurde durch Steger einmal mehr der kühne Traum vom wahren Flötenspiel Wirklichkeit; für das neutrale Publikum und die Skeptiker gegenüber dem „Einsteigerinstrument“ hat sich die weite Anfahrt für Mancini, Veracini, Uccellini, Corelli und Co ebenfalls gelohnt, denn sie erlebten die grandiose Technik des sympathischen Schweizers.

„Schneller rauf und runter geht nicht“, sagt Steger. Das glaubt man ihm gern. Doch was sein Spiel eigentlich auszeichnet, sind nicht die Trillerkaskaden, die sich windenden Tonschlangen oder der überbordende figurale Zierrat. Es ist sein Atemstrom, mit dem er seine Blockflöten so zum Singen bringt, dass sie die Hörer verzaubern, regelrecht betören. Auch die Skeptiker.

Sensibel ist der Ton, geschmeidig und ausdrucksstark. Bei aller Ernsthaftigkeit bleibt Steger ein Musikant, der seinen Spaß daran hat, das Publikum mit kleinen Überraschungen an der Nase herumzuführen. Da gibt es auch Zwischenapplaus für Kadenzen, die unvermutet und kurzfristig in den Orient abdriften.

Klingendes Museum ade – die Alte Musik lebt!

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