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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Singspiel mit Zwischentexten

20.02.2012

OLDENBURG Shakespeare ist ein Selbstbedienungsladen. Ein jeder bedient sich, wie er will. Übersetzungen gibt es zuhauf, Inszenierungen auch. Eine jugendbewegte, im Hier und Heute angesiedelte Variante kann man jetzt im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters erleben: Regisseur Jan-Christoph Gockel lässt „Hamlet“ als eine Art Singspiel mit Zwischentexten von Shakespeare aufführen. Immer klar und verständlich durch die Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch, eher eine Komödie denn eine Tragödie und auf Dauer etwas ermüdend.

Vieles ist vorhersehbar auf Schüler als Publikum getrimmt. Also müssen im vorauseilenden Gehorsam, um einem möglichen Verlust an Aufmerksamkeit vorzubeugen, vor allem Gags und Unterhaltung her. Und Schwierigkeiten oder Doppeldeutigkeiten weg.

Solo auf der Blockflöte

Zu Beginn werden zwei Bauarbeiter von einer klapprigen Ritterrüstung aufgeschreckt. Prompt öffnen die Arbeiter ihr Flaschenbier an der Rüstung. Kurz danach steht Hamlet traurig am Grab des gemeuchelten Vaters. Schon schmettert eine Liveband ein Lied. Ophelia singt mit dem Schild „Herzlich Willkommen“ um den Hals. Vincent Doddema ist Hamlet, trägt Brille, sieht schüchtern aus und steuert ein Solo auf der Blockflöte bei. Wahrlich, die Zeit ist aus den Fugen.

Ophelia ist ein niedliches Zahnspangenmädel. Sarah Bauerett spielt einen Backfisch, der seine Reize im Schlabberlook versteckt. Unterdessen buddelt Hamlet im Grab des Vaters die Knochen aus, während der Mörder des Vaters vom ersten Rang runterguckt. Das kann Gilbert Mieroph als Claudius deshalb, weil der erste Rang des Großen Hauses auf der Bühne herausragend echt nachgebildet wurde. Man blickt als Zuschauer wie in einen Spiegel – eine schöne Wirkung.

Hopser vom Balkon

Ab und zu wird vom Theaterbalkon runtergehopst oder am hehren Stuck gebröselt. Hamlet spricht zwischendurch noch seinen Sein-oder-Nichtsein-Satz, der indes verläppert. Im zweiten Teil der dreistündigen Inszenierung, für die auch zwei Stunden gereicht hätten, legt der Zauderer Hamlet seine Vernunft nach und nach ab, wappnet sich für ein Schlussmassaker. Doch zuvor wird Ophelia in einen Sarg gepresst. Hamlet legt sich schmusend dazu, ein Dritter folgt auch noch in den Holzsarg. Dazu werden „1000 mal berührt“ und „Mit 17 hat man noch Träume“ angestimmt. „Hänschen klein“ war nicht dabei.

Wie gesagt: Shakespeare war immer ein Selbstbedienungsladen. Es müssen keine dumpfen Seufzer aus enger Brust sein, es gibt keine selig machende Inszenierung. Alle Oldenburger Schauspieler mühen sich tapfer, Regieflachsinn in Tiefsinn zu verwandeln. Der Rest ist in diesem Fall indes besser Schweigen.

 @ Alle NWZ -Theaterkritiken unter:

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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