Amsterdam - Der niederländische Maler Vincent van Gogh ist als Schöpfer eines bisher unbekannten Bildes identifiziert worden. Zwei Forscher des Van-Gogh-Museums in Amsterdam sind überzeugt, dass kein anderer als van Gogh im Sommer 1888 das Gemälde „Sonnenuntergang bei Montmajour“ geschaffen hat. Das Bild zeigt einen Blick über die Landschaft beim südfranzösischen Dorf Montmajour mit der Ruine einer Abtei im Hintergrund. Es soll vom 24. September an für ein Jahr im Van-Gogh-Museum zu sehen sein.
Das Gemälde sei ein besonders interessantes aus der bedeutendsten Schaffensphase des Künstlers, hieß es. „Eine Entdeckung dieses Kalibers hat es in der Geschichte unseres Museums noch nicht gegeben“, wurde Museumsdirektor Axel Rüger zitiert.
Das Bild war bereits 1991 von seinem damaligen Besitzer dem Van-Gogh-Museum zur Prüfung vorgelegt worden. Damals hatten die Experten geurteilt, es handele sich nicht um einen echten Van Gogh. Der Sinneswandel sei nun auf bessere technische Untersuchungsmöglichkeiten zurückzuführen.
Die Van-Gogh-Experten Louis van Tilborgh und Teio Meedendorp entschieden nach zweijährigen Untersuchungen von Stil, Technik, Farbe und Leinwand sowie aufgrund von Hinweisen in Briefen van Goghs, dass es sich um ein echtes Werk des Niederländers handele. Van Gogh hatte im Juli 1890 seinem Leben ein Ende gesetzt.
Farbpigmente des in der Umgebung von Arles (Südfrankreich) entstandenen Bildes seien mit jenen identisch, die er in anderen Bildern benutzt habe. Leinwand und Grundierung stimmten mit zumindest einem anderen Werk von van Gogh überein, hieß es. Das Bild sei mit 93,3 Zentimeter Breite und 73,3 Zentimeter Höhe relativ groß.
Van Gogh war 1888 nach Arles gekommen, wo er einige seiner berühmtesten Bilder malte – die „Sonnenblumenbilder“ ebenso wie die „Fischerboote am Strand von Saintes-Maries“ oder die „Brücke von Langlois“.
Van Gogh hat dem Museum zufolge in zwei Briefen zu dem Bild aus Montmajour geschrieben, das Gemälde sei ihm misslungen. Er habe aber auch andere mittlerweile berühmte Bilder wie „Sternennacht“ (1889) oder „Der Sämann vor untergehender Sonne“ als missraten bezeichnet. Im „Sonnenuntergang bei Montmajour“ gebe es neben „starken und deutlichen Eigenschaften van Goghs“ allerdings auch „schwächere und weniger treffsichere Passagen“.
Van Gogh habe höchste Ansprüche an sich gestellt und sei oft der Ansicht gewesen, dass er seine Aufgabe nicht gut genug erledigt habe, hieß es in der Mitteilung des Museums. Das Gemälde sei eine experimentelle Arbeit und zugleich der Beginn einer neuen Phase, in der van Gogh mit dickerer Farbe zu malen begonnen habe.
Das Gemälde gehörte 1890 zur Sammlung von Theo van Gogh, der als wichtigste Bezugsperson seines psychisch labilen Bruders gilt. Es wurde 1901 verkauft und geriet 1910 in den Besitz eines Norwegers. Über die Identität des jetzigen Besitzers wurden keine Angaben gemacht. Vincent van Gogh hat zu Lebzeiten nur ein Bild verkaufen können – für 400 französische Francs.
