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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Sittenbild in dunklen Farben

13.10.2015

Hamburg Ein Windei, ein Schwuler und ein Schlaumeier mögen in vielen Familien vertreten sein. Dass ein Vater das aber seinen Söhnen als sein „Lebenswerk“ vor den Kopf wirft, als diese seit Längerem mal wieder zusammenkommen, ist doch eher ungewöhnlich. Und es ist nur eine der Bosheiten, die Hannes (Günther Maria Halmer) am Vorabend seines 70. Geburtstages loslässt. „Familienfest“ heißt das Sittengemälde von Lars Kraume, in dem wohl jeder bei aller Überspitzung einen Teil seiner eigenen Familiengeschichte erkennt.

Dubiose Geschäfte

Hannes ist ein erfolgreicher Pianist, in zweiter Ehe mit der aufopferungsvollen Anne (Michaela May) verheiratet, die sich über Jahre um die drei Jungs Max (Lars Eidinger), Frederik (Barnaby Metschurat) und Gregor (Marc Hosemann) gekümmert hat. Und da ist noch die divenhafte, versoffene Ex-Frau Renate (Hannelore Elsner). Die Über-Stiefmutter Anne ist es, die den Geburtstag „im Stile alter Reichsparteitage“ angeht, wie Hannes später sagen wird.

Im Grunde hat keiner Lust auf dieses Treffen, und trotzdem reisen alle an. Der in dubiose Geschäfte verwickelte Gregor mit seiner Frau, der schwule Frederik mit seinem Partner und Max, der Journalist, mit Jenny (Jördis Triebel), die er als seine langjährige Freundin ausgibt.

Der Familiensitz ist eine herrschaftliche Villa am See, Anne die gute Seele, Hannes der Tyrann, der seine Ex-Frau vom Flughafen abholt, sich dabei einige Gläschen genehmigt und prompt seine Frau vor der Villa anfährt. „Das nenne ich einen sublimierten Tötungswunsch“, kommentiert Renate die Szene, die durchaus komisches Potenzial hat, wie das Drama insgesamt.

In erster Linie aber ist es furchtbar bedrückend. Zu tief sitzen die Verletzungen, zu existenziell sind die unausgesprochenen Dinge der Menschen, die unter Hannes leiden. Der wiederum nimmt kein Blatt vor den Mund.

Frieden schließen

Das Familienoberhaupt teilt ganz gezielt und dabei mitunter subtil aus. Mal bittet Hannes den Partner von Frederik, sich auf die Frauenseite des Esstischs zu setzen, mal kappt er einen der drei Buchsbäume im Garten, die für die drei Söhne stehen, und er macht seine Position ganz eindeutig klar: „Ich bin zu alt und zu wohlhabend, um mir das anzuhören“, sagt er in einer Diskussion am Tisch.

Trotz oder gerade wegen all dieser Verletzungen und emotionalen Grausamkeiten lechzen die Söhne nach Anerkennung des Vaters, wollen Frieden mit ihm schließen.

Und das ist wohl auch das zentrale Thema dieses außergewöhnlichen Familienfilms: Wie geht man damit um, wenn man weiß, nur noch kurze Zeit zu leben?

Regisseur Lars Kraume, der kürzlich „Der Staat gegen Fritz Bauer“ drehte, hat dafür ein großartiges Ensemble zusammengestellt, um eine mildere Ausgabe eines skandinavischen Familienhöllen-Kinos à la Thomas Vinterbergs „Das Fest“ zu gestalten. Versöhnlicher, wahrscheinlich auch näher an der Wirklichkeit.

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