München/Berlin - Jetzt ist es offiziell: Das Bild „Sitzende Frau“ von Henri Matisse aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt ist nach Einschätzung der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ tatsächlich Raubkunst. Auch wenn nicht mit letzter Sicherheit dokumentiert werden kann, unter welchen Umständen Hildebrand Gurlitt in den Besitz des Werkes kam, so ist die Taskforce nach den Worten der Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel doch zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei dem Werk um NS-Raubkunst handelt und es aus der Sammlung von Paul Rosenberg stammt.

Dem jüdischen Kunsthändler von den Nazis geraubt, befand sich das Bild einst im Besitz von NS-Politiker und Kunsträuber Hermann Göring, bevor es über Umwege in die Sammlung von Gurlitt gelangte.

Wann die Familie das Bild aus den Jahr 1921 zurückbekommt, das dem Fall Gurlitt quasi von Anfang an ein Gesicht gab, ist allerdings völlig unklar. Gurlitt und seine Anwälte hatten vor dem Tod des Kunstsammlers bereits Verhandlungen mit Rosenbergs Enkelinnen – Marianne Rosenberg, eine New Yorker Anwältin, und Anne Sinclair, die Ex-Frau von Dominique Strauss-Kahn – aufgenommen, die kurz vor dem Abschluss standen. Dann meldete sich ein weiterer Anspruchsteller, und die Übergabe fand nicht statt. Das Kunstmuseum Bern, das Gurlitt als seinen Alleinerben eingesetzt hat, hat noch nicht entschieden, ob es das Erbe antritt. Ein halbes Jahr kann es sich Zeit lassen.