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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Skurrile Jagd auf „Dracula“

05.10.2015

Oldenburg Man nehme ein uraltes Schauermärchen, verfeinere es mit Zutaten aus Hunderten Vampir-Filmen, gebe dazu eine Prise Shakespeare und Baudelaire und etwas finstere Musik von Rammstein und Element of Crime. Das Ganze wird kräftig gewürzt mit grotesken und skurrilen Regieeinfällen. Das Ergebnis ist die Bühnenfassung „Dracula“ von Robert Gerloff und Jonas Hennicke nach Motiven des gleichnamigen Bestsellers von Bram Stoker (1847–1912).

Trauung am Bett

Die Uraufführung des Stücks unter der Regie von Robert Gerloff am Sonnabend im nicht ausverkauften Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters war ganz nach dem Geschmack des Publikums. Es feierte die zweistündige Dracula-Revue mit lang anhaltendem Applaus.

Die Bühne (Maximilian Lindner) ist ein Wellblechverschlag, über und über mit Dracula-Filmplakaten beklebt. Im Laufe des Geschehens wird daraus ein Autokino, eine Schlossruine, ein Zoo und eine Gruft – eine Kulisse so wandelbar wie die ganze Inszenierung.

Dracula (fulminant verkörpert von Johannes Lange) sitzt auf seiner finsteren Burg in Transsilvanien und hadert mit seinem Schicksal. Der Letzte eines ruhmreichen Adelsgeschlechts, als unzivilisierter Berserker gebrandmarkt, sehnt sich nach dem Trubel der Großstadt, er will teilhaben am Fortschritt, an der Kultur der Menschen. Kurzum: Er will leben. Es folgt ein intensives Spiel mit zahlreichen cineastischen Anspielungen und Rollenwechseln.

Rechtsanwalt Jonathan Harker (Alex Friedland liefert als Student der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover eine reife Leistung ab) reist nach Transsilvanien, um von Dracula den Kaufvertrag über zehn Grundstücke in London unterzeichnen zu lassen. Das seltsame Leben auf dem Schloss zerrt an seinen Nerven, er droht den Verstand zu verlieren und kommt erst in einem Krankenhaus in Budapest wieder zu Bewusstsein. Die Blitztrauung mit Mina (fein gespielt von Agnes Kammerer) am Krankenbett ist eine von vielen skurrilen Szenen.

In London trifft Dracula auf die lebenslustige und selbstbewusste Lucy (kraftvoll umgesetzt von Lisa Jopt). Sie verliebt sich mit Haut und Haar in ihn und fällt der Liebe zum Opfer. Ein klarer Fall für Prof. Dr. Dr. Dr. Abraham van Helsing (souverän umgesetzt von Thomas Birklein).

Flink und zäh

Der Vampir-Experte mit Lederhose, Lederstiefeln und Pilotenbrille eröffnet die Jagd auf Dracula, an seiner Seite eine groteske Kampftruppe – flink wie Fledermäuse, hart wie Tiroler Brot, zäh wie Schweineschwarte. Das Wahnsinnsspiel steuert auf seinen Höhepunkt zu, mittendrin Nervenarzt Jack Seward (Maximilian Pekrul agiert irre gut). Immer präsent auch die Souffleuse Justine Wiechmann – ein netter Einfall.

Beim Tischtennisspiel kommen sich Mina und Dracula näher. Es entsteht ein feinsinniger Dialog über die Liebe, der zu den schönsten Szenen der Inszenierung gehört. Die beiden entschließen sich zur Flucht, die Mina mit ihrem Leben bezahlt. Zurück bleibt Dracula, getrieben, zerrissen, verzweifelt. Wir lernen: Auch Vampire sind nur Menschen, und die können in ihrer Not bekanntlich zu Bestien werden.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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