Wilhelmshaven - Das 2. Konzert der Saison wird beim Wilhelmshavener Publikum noch lange in Erinnerung bleiben. Es war ein sensationelles Konzert, das die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und vor allem der Geiger Christian Tetzlaff am Montag in der Wilhelmshavener Stadthalle boten. Als die letzten Töne des e-Moll Violinkonzertes von Felix Mendelssohn Bartholdy verklungen waren, standen zahlreiche Zuhörer spontan von den Sitzen auf, um den Solisten und das Orchester zu feiern. Gut 20 Minuten lang hatte Tetzlaff ein beglückendes Feuerwerk der Geigenkunst abgebrannt.
Extrem hohe Töne
Gleich die einleitende Kantilene des Solisten klang wie Musik von einem anderen Stern, brillant und superschlank in der Tongebung. Unglaublich die Fülle der Klangfarben, mit denen Tetzlaff das Werk ausstattet, die Strahlkraft extrem hoher Töne, das hohe Tempo in den Ecksätzen, die dynamischen Feinheiten, die nie aufgesetzt wirkten, sondern sich aus dem thematischen Ablauf ergaben. Mal setzt, um es in der Sprache der Maler zu sagen, Tetzlaff den dicken Pinsel an, mal entsteht eine Federzeichnung, mal verläuft der Ton fast im Nichts wie die Aquarellfarbe auf dem Papier.
An den fulminanten Kopfsatz hängte der Solist ein intimes Andante an, voller Gefühl, aber ohne aufgesetzte Drücker. Erstaunlich, wie gut Tetzlaff hier und in den anderen Sätzen die Balance zwischen süßer Tongebung und Sachlichkeit gelingt und wie gut ihm darin die Deutsche Kammerphilharmonie zu folgen vermag.
Der Schlusssatz geriet zum Feuerwerk der Geigenkunst. Als Zugabe spielte Tetzlaff das unprätentiöse Rondo in C-Dur von Mozart.
Perfekt im Einklang
Eröffnet hatten die Musiker den Abend mit dem G-Dur Violinkonzert KV 216 von Mozart. Im Allegro demonstrierte Tetzlaff die „Leichtigkeit des Seins“. Mozarts Vorstellung von Intimität kam im Adagio zum Ausdruck, das vom Orchester seidenweich angegangen wurde. Und das abschließende Rondo gelang dem Solisten und dem Orchester so kapriziös, wie wir den Komponisten aus seinen Briefen ans Bäsle kennen.
Den Mittelteil des Konzertes gestaltete das Orchester mit Schönbergs „Verklärte Nacht“ nach einem Gedicht von Richard Dehmel und der Sinfonie Nr. 80 d-Moll von Joseph Haydn. Auch da unterstrich das Orchester unter Leitung der Konzertmeisterin Sarah Christian seine Fähigkeit, Bläser und Streicher im Sinne des Werkes perfekt in Einklang zu bringen.
