Oldenburg - Sal lebt in den einsamen Weiten und Tiefen der amerikanischen Appalachen in einer Art Kommune in einem kleinen Holzhäuschen. Viel Wald, viel Land, viel Natur, wenig Menschen. Das, was wir Zivilisation nennen, ist weit entfernt, genauso wie Hektik und Stress. Ein Handy hat er nicht, einen Computer oder Fernseher auch nicht. Doch er hat eine Freundin, die eine Tochter hat – doch die lebt ebenfalls weit weg, im tausende Kilometer entfernten Texas. Einzige Verbindung: Ein altmodisches Telefon mit Schnur.

Also ihn Freundin Rene mit Tochter Riley besucht, lebt der zuvor recht emotionslos wirkende Sal auf: Voller Begeisterung zeigt er der Kleinen den Wald, einen See, die Pflanzen, die er anbaut, und tobt mit ihr herum. Es geht ihm rundum gut. Doch Rene und Riley reisen bald wieder ab. Zwar wollen Sal und Rene ein gemeinsames Leben in dem abgeschiedenen Wald aufbauen, doch Sal zögert noch.

Man erfährt nicht, seit wann Sal dort lebt oder warum – das ist aber auch egal. Denn der Film ist eine Reduktion aufs Wesentliche, eine Entschleunigung aus dem hektischen Alltag, ein Zurück zur Natur, die in Echtzeit funktioniert: Ohne Termine, ohne Zeitdruck – fast schon ohne Zeit. Der Film ist wie Abschalten, wie Urlaub.

Die tatsächliche Handlung wäre in drei Sätzen erklärt. Aber das würde dem Streifen von Cameron Bruce Nelson nicht im Geringsten gerecht werden – denn gerade das macht ihn aus: die Abwesenheit von komplexen und vielschichtigen Handlungssträngen.

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Nelson zeigt in ruhigen und klaren Aufnahmen imposante Naturbilder, in die die Schauspieler um Hauptdarsteller Frank Mosley sich brillant einfügen. Man hat über weite Strecken nicht das Gefühl, dass es ein Drehbuch gibt, sondern dass die Figuren einfach in ihrem alltäglichen Leben dokumentiert werden. Sie reden ruhig und nicht viel, und die Themen wirken teilweise banal – doch das sind sie nicht. Nicht für die Charaktere, und deshalb auch nicht für den Film. Außerdem: Wer redet in seinem Alltag nicht mal über Alltägliches?

Doch dann passiert doch etwas Unerwartetes: Sal findet erst die Leiche eines Nachbarn, für den er gearbeitet hat, und kurz darauf taucht ein verwahrloster Junge wie aus dem Nichts auf. Das bringt Sal nachhaltig aus der Ruhe.

Some Beasts: Sonnabend, 19 Uhr, Cine K/Studio; Sonntag, 14.30 Uhr, theater hof/19

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Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion