Oldenburg - Ein unbändiges Monster ist orkangleich durch die mit 850 Besuchern ausverkaufte Kulturetage gefegt. Dieser Vergleich bezieht sich nicht nur auf den aktuellen Albumtitel „Here Be Monsters“ des Trios Motorpsycho. Vielmehr kommt die norwegische Band wie eine Naturgewalt rüber. Ausufernd, wüst und melodisch zugleich.

Der Eröffnungssong „Big Black Dog“ klingt in den ersten fünf Minuten noch sanft hippiemäßig, wenn auch melancholisch eingefärbt. Doch dann drehen die Gitarren auf. In grollend pulsierenden Wellenbewegungen ergießen sich düster krachende Gitarrenriffs und ein Abgrund tut sich auf. Traum und Albtraum – Himmel und Hölle nahe beieinander.

Lade ...

Einzelne Stücke wie der Einstiegssong dauern locker an die 20 Minuten. Sie episch zu nennen, ist keine Übertreibung. In den träumerischen Passagen erinnern sie etwas an den samtigen, David Gilmour geprägten Sound von Pink Floyd. Manchmal an The Grateful Dead. Aber das sich von den genannten Gruppen absetzende Element der Härte verleiht einen reizvollen Kontrast. Die Gründungsmitglieder Bent Sæther (47, Bass, Gesang, Gitarre) und Hans Magnus Ryan (46, Gitarre, Gesang) vermengen diesen Spannungsbogen in ihrem psychedelischen Progressive-Rock virtuos den ganzen Abend über.

Von der wuchtigen Energie her fällt einem noch Neil Young zusammen mit Crazy Horse ein. Ähnlich wie „Onkel Neil“ jammt auch Motorpsycho streckenweise über zwei, manchmal auch nur über einen Akkord. Das aber nie langweilig, sondern immer hypnotisch treibend und groovend mitreißend. Live spielen sie wesentlich gitarren- und bassbetonter als auf ihren Alben. Zum Teil nutzen sie Bühnensynthesizer und Basspedale. Schlagzeuger Kenneth Kapstadt (37), seit 2007 bei der Band, treibt die Stücke furios-wuchtig voran.

Lade ...

Zu den Höhepunkten gehört „Un Chien D’Espace“; ebenfalls ein 20-Minüter. In der Mitte des Songs schlagen sie eine sich langsam ins Rasante steigende Stakkato-Taktung ein, die an einen rollenden, dampfbetriebenen Zug erinnert. Einen Zug, der immer schneller einem Höllen-Abgrund entgegenfährt. Mit relativ einfachen Lichteffekten kommt durch flackerndes Rotlicht, das wie die Heizstäbe eines alten Toasters aufglüht, das Gefühl auf, dass die Bühne in lodernder Feuerglut steht.

Musikalisch ist der Name der 1989 gegründeten Band also Programm; wobei dieser einem Russ-Meyer-Film von 1966 entliehen ist. Die englischsprachigen Texte sind wegen des dröhnenden Basspegels und der ohnehin enormen Lautstärke meist kaum zu verstehen. Ist aber nebensächlich. Hier geht es um die reine Sound-Ekstase. Sie spielen drei Stunden nonstop. Als Zuhörer ist man herausgefordert, erschöpft – aber glücklich. Ein verzückender Trip ohne Drogen.