Nordenham - Eine schwarze erotisch prickelnde Emanzipations-Geschichte in den Tiroler Bergen erzählt Karl Schönherr mit seinem Drei-Personen-Stück „Der Weibsteufel“. Die 1914 uraufgeführte Komödie bringen die Theatergastspiele Fürth mit Weltstar Christine Kaufmann sowie den aus zahlreichen Fernsehfilmen bekannten Schauspielern Alexander Radszun und Daniel Buder am Mittwoch, 9. Dezember, um 19.30 Uhr auf die Bühne der Nordenhamer Stadthalle Friedeburg.
Christine Kaufmann spielt eine schöne Frau zwischen Wunsch und Wirklichkeit zwischen Treue zu ihrem kränkelnden Mann und dem Reiz des Abenteuers mit einem anderen, zwischen Liebe und Leidenschaft, zwischen Recht und Unrecht. Es geht ihr gut mit einem Mann als Schmuggler, dem aber die Grenzjäger auf den Fersen sind.
Ein junger gut aussehender Grenzjäger soll nun die Frau in sich verliebt machen, um ihren Mann verhaften zu können. Der hingegen, als er von diesem Plan erfährt, ermuntert seine Frau, damit er schließlich seine letzte große Tour über die Runden bringen kann.
Aus Spiel wird Ernst
Aus der von beiden Seiten taktischen Annäherung mit dem Jäger wird wirkliche sexuelle Attraktion und aus der scheinbaren erotischen Freigiebigkeit des Ehemannes im Gegenzug brennende Eifersucht. Es beginnt ein höchst dramatisches und zugleich sinnliches und erotisch prickelndes Spiel – das sogar tödlich endet.
Der Autor lässt in einer kleinen Berghütte Konflikte von weltumspannender Tragweite aufeinanderprallen: Mann und Weib und ihre Beziehung sind Stellvertreter für ganze Gesellschaften und deren Auseinandersetzungen. Er wirft grandios die Psychothriller-Maschinerie an, die bis zur letzten Sekunde fesselt.
Der Jüngere in diesem Stück ist gleichsam Auslöser und Erlöser für tief im Menschen schlummernde Sehnsüchte, Träume und Instinkte. Dieses fesselnde Schauspiel ist ein „Welt-Drama“, dessen Psychologie der Seelen und genaue Zeichnung der Charaktere seinen besten Vergleich bei Strindberg findet.
Rabiates Volkstheater
Karl Schönherrs am Wiener Burgtheater uraufgeführtes Drama „Der Weibsteufel“ ist ein rabiates Stück Volkstheater, eine Strindbergiade um eine schöne Frau und zwei Männer und eine erotische Gaunerkomödie aus den Tiroler Bergen. Archaisch in seiner Struktur, aber zugleich von einem sehr feinen Gespür für Psychologie und unterschwellige Erotik, fesselt das 1914 entstandene Kammerspiel noch heute.
Karl Schönherr (1867 bis 1943), Tiroler, Arzt und Autor, war zusammen mit Arthur Schnitzler der erfolgreichste österreichische Dramatiker in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. „Der Weibsteufel“ gehört neben „Glaube und Heimat“ zu seinen beliebtesten Stücken.
