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Medien: Ex-Uefa-Präsident Platini festgenommen
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Aktualisiert vor 11 Minuten.

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Medien: Ex-Uefa-Präsident Platini festgenommen

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Spannung an den Wendepunkten des Lebens

16.09.2008

OLDENBURG Düster und fahl erhebt sich ein magischer Klang, der vom Schlagwerk geprägt ist. Die Schläge der Röhrenglocken wirken wie dunkle Vorahnungen. Eine schattenreiche, mystische, manchmal eruptive Musik nimmt ihren Anfang. Christoph J. Kellers melodramatisches Oratorium „Der Antichrist“, das unter der Leitung von Johannes von Hoff jetzt zum Abschluss des Musikfestes „900 Jahre Oldenburg“ in St. Ansgari uraufgeführt wurde, gründet auf der „Kurzen Erzählung vom Antichrist“ des Russen Wladimir Solowjew. In einer Endzeit-Gesellschaft erscheint ein ungewöhnlicher „Übermensch“, der seine Talente zunächst zum Wohle aller nutzt.

Doch er lässt sich zur dunklen Seite der Macht verführen, schwingt sich empor zum Beherrscher. Als er versucht, sich selbst zum Zentrum des christlichen Glaubens zu erheben, scheitert er. Denn die Besinnung auf Christus eint die Gläubigen.

Dramaturgisch geschickt hat Keller den Stoff in Klang verwandelt. Schon bald wird das gute Ende angedeutet, doch spät erst kann der Hörer sukzessiv die Zusammenhänge durchblicken. Kellers Musik wirkt dabei eindringlich und assoziativ, führt im ersten Teil emotional in die Atmosphäre ein. Mythisch lässt er den oft das Geschehen kommentierenden und den Text ausdeutenden Chor – in St. Ansgari ist es der grandiose Oldenburger Kammerchor – einen dunklen Choral vorweg singen.

Die Besetzung des die hohen instrumentalen Ansprüche brillant erfüllenden Ensembles, in dem neben Orgel (Tillmann Benfer), Posaune (Pascal Morgenstern) und Trompete (Paul Hübner) gleich drei Schlagzeuger (Axel Fries, Freerk Jürgens, Simon Etzold) tätig sind, unterstreicht die Finsternis. Für die folgende Entwicklung, durch die Schauspieler Thomas Birklein als Sprecher führt, entfesselt Keller oft lang aufgebaute Klangmassen. Doch an den Wendepunkten – etwa der Metamorphose des „Antichrist“, bei dem ein leiser Orgel-Cluster hinab ins Nichts führt – entwickelt Keller gerade aus der Reduktion größte Spannung. Tenor Jan Remmers gestaltet die Seelenwandlung der Hauptfigur stimmlich vielseitig und psychologisch tiefsinnig aus. Tom Sol verleiht den Führern der drei großen Kirchen mit seinem mächtigen Bass immer stärkeres Gegengewicht.

Dann verkündet Sopranistin Ina Jannsen als „Christus“ hell glänzend die Friedensbotschaft. Und nach himmlischem Verklingen und langer Stille bricht der Beifall in der voll besetzten Kirche los.

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