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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Spiel um Katz und Maus

21.09.2013

Oldenburg Die Orientierung fällt erst einmal schwer. Trotz oder gerade wegen der Technik. Doch Hilfe naht, dezent tippt einen der Lotse von der Seite an. „Da geht’s lang“, flüstert er dem leicht irritierten Besucher ins Ohr, der sich seinen Weg durch die Handlung bahnt. Willkommen im Videowalk!

Bei der Premiere des Stückes „Catkiller“ im Oldenburger Theater Wrede wird schnell deutlich: Die gängigen Bühnenkonventionen haben die Autoren Winfried Wrede und Kim Selody in ihrer experimentellen deutsch-kanadischen Co-Produktion außer Kraft gesetzt.

Der Einlass erfolgt in Dreier-Gruppen im Fünf-Minuten-Takt. Nur kurz sitzt das jeweilige Trio im bequemen Kinosessel. Eine kleine Instruktion, dann werden Kopfhörer und Camcorder verteilt. „Bitte nichts verstellen, der Film läuft bereits“, bläuen Kathy und Claire mit ihren rosa Perücken dem Videowalker ein. Dann schicken sie ihn mit der Kamera als „drittem Auge“ auf die virtuelle Reise nach Kanada.

Dort sind laut Drehbuch in einer Kleinstadt 433 Katzen verschwunden. Die Suche nach dem Schuldigen, dem geheimnisvollen Catkiller, beginnt. Auf seinem Display verfolgt der Zuschauer das Geschehen. Die Ereignisse wurden vorab aufgezeichnet und zeigen dieselben Orte, an denen man sich gerade auf seinem Rundgang befand. Man wird Zeuge der Handlung, schaut durch Fenster und Türspione – und wird dabei ertappt. Fast wie im Computerspiel nimmt der Zuschauer die Perspektive der Figuren ein. Doch wer ist der wahnsinnige Katzenmörder?

Dr. Haber etwa, der in jedem Menschen einen Psychopathen sieht und an Katzenhirnen forscht, um seine Thesen zu belegen? Oder ein hyperaktiver Videofilmer auf makaberer Motiv- und Mädchenjagd? Der Zuschauer steigert sich schnell in die Handlung hinein und fixiert nur noch sein Display.

Eine kleine Massage, ein Glas Wasser und ein paar Salzstangen – zur Abwechslung ganz real – dienen der Entspannung nach den vielen toten Katzen. Doch es wirkt erstaunlicherweise befremdlich, wenn einem die Technik plötzlich wieder abgenommen wird. So schnell gewöhnt man sich an die virtuelle Welt. Diese Hilfsmittel fehlen, als die strenge Polizistin einen auf dem Revier in die Mangel nimmt. Wir waren schließlich Zeuge, haben doch alles gesehen und gefilmt. Im „letzten Akt“ stehen die Schauspieler auf einmal vor uns, schauen einem in die Augen und sprechen uns an.

Wie unheimlich! „Es gibt eine Realität, und in der haben Handlungen Konsequenzen“, belehrt die Polizistin und beendet nach 70 Minuten ein spannendes und verworrenes Katz-und-Maus-Spiel.


Infos:   www. theaterwrede.de 

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