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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Spielbälle aus dem fernen Osten

07.09.2007

OLDENBURG Jackson Pollock, der „Actionpainter“, wollte mit seinen Tropf-Bildern nichts weniger als „malen wie der erste Mensch“. Nach zwei Weltkriegen, die das Unterste zuoberst kehrten, stand er mit diesem Ehrgeiz nicht allein: Das Alte, das sich als untauglich erwiesen hatte, zu überwinden, etwas Eigenes, Neues zu finden – das wurde Antrieb vieler Künstler im westlichen Mainstream.

Dass sich mit Tradition auch ganz anders umgehen lässt, veranschaulicht jetzt eine Ausstellung im Oldenburger Horst-Janssen-Museum am Beispiel des Zeichners und Grafikers. Unter dem Titel „Horst Janssen: in japanischer Manier“ lehren 50 Exponate, Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen, unter anderem aus der Hamburger Kunsthalle und aus dem Bestand der Claus-Hüppe-Stiftung, wie lustvoll und querköpfig-genial Janssen Vorlagen alter Meister als Vorlagen, Motivanlässe, ja: Spielbälle, des eigenen künstlerischen Wirkens annahm. Freilich: Dass Janssen sich an Dürer, Rembrandt & Co abarbeitete, ist so neu nicht. Was frappiert, ist die Wirkungsmacht des Einflusses, den gerade die japanischen Farbholzschnitte etwa des Ukiyo-e auf ihn ausübten, ist die Intensität des Dialoges, den er mit Künstlern wie Hokusai führte. Da verwandelt sich die hagere gebückte Gestalt eines Eremiten aus der japanischen Sagenwelt erst ins Hamburger „Tantchen“, dann ins sarkastische Zerrbild seines Druckers

Frielinghaus. Mythisch besetzte Wesen wie Drachen kreuzt Janssen mit rankenden Pflanzen. Und der dickbäuchige Glücksgott Hotei mutiert virtuos – als passionierter Narziss liebte Janssen es autobiografisch – zum dickbäuchigen Janssen, dem „alten Sack“.

Die „japanische Manier“ – ein Zitat aus dem Titel eines frühen Blattes – verdankt Janssen dem im März dieses Jahres verstorbenen Gerhard Schack, des Freundes und Sammlers, der ihn 1970 mit der fernöstlichen Bilderwelt in Berührung gebracht hatte. Die jetzige Ausstellung, noch mit Schack abgesprochen, enthält etliche Werke aus dessen nachgelassener Sammlung, darunter auch aus den 80er Jahren, in denen Janssen die japanische Motivik sehr viel freier verwendete, nurmehr als lose Inspiration.

Den Anregungen, die französische Künstler dem Werk japanischer Meister wie Kuniyoshi oder Kyôsai entnommen haben, wird ebenfalls im Janssen-Museum ab dem 14. Oktober nachzuspüren sein. Dann werden unter dem Titel „Paris im Japanfieber“ Blätter von Degas, Manet, Toulouse-Lautrec und anderen ausgestellt – ein weiterer Beitrag zum Thema „Malen wie der erste Mensch? Von wegen!“

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Horst-Janssen-Museum | Manet

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