[SPITZMARKE][SPITZMARKE]HOYERSWEGE - HOYERSWEGE/SHS - Zunächst gab’s Spargel, und dann Schiller satt – als „zweiten Hauptgang“ kündigte Hardy Merchel von der regioVHS Ganderkesee-Hude den 38 Besuchern im Hof Hoyerswege am Freitag nach dem Essen den eigentlichen Grund ihres Kommens an: „Friedrich Schiller – Vom Balsamgeist der Hoffnung“ lautete das Thema des Abends, den der Schauspieler Jürgen Rosemeyer und die Musikerin Sabine Cwieczek bestritten. Der Todestag des großen Dichters jährte sich am 9. Mai zum 200. Mal.
Der 61-jährige Rosemeyer „servierte“ den Zuhörern zwölf Gedichte von Friedrich Schiller, die Sabine Cwieczek auf der Flöte musikalisch umrahmte. Zunächst hörten die Gäste die „Ode an die Freude“, eines der berühmtesten Gedichte Schillers, das von Ludwig van Beethoven vertont wurde. Mit den Worten „Freude schöner Götterfunken“ beginnen die Verse, in denen der Poet das Ideal einer Gesellschaft von gleichberechtigten Menschen beschreibt, die durch das Band der Freude und der Freundschaft verbunden sind. Nach der Rezitation spielte Sabine Cwieczek ein Fragment des letzten Satzes von Beethovens neunter Sinfonie auf der Altflöte.
In „Das verschleierte Bild zu Sais“ ließ der Schauspieler das antike Ägypten bildhaft werden. „Die Teilung der Erde“ schien es dem Rezitator besonders angetan zu haben, denn er brachte diese Verse zum Abschluss des Abends noch einmal als Zugabe. In diesem Gedicht fordert der Göttervater Zeus die Menschen auf, sich die Erde zu teilen. Der Poet kommt zu spät und geht leer aus – dafür ist ihm aber der Himmel offen.
Jürgen Rosemeyer gelang es, durch gekonnte Mimik und Gestik die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Der in Mannheim wohnende Schauspielrezitator führte sein Programm „Vom Balsamgeist der Hoffnung“ zum ersten Mal in Norddeutschland auf. Rosemeyer, der seine Produktionen selbst zusammenstellt, rezitiert auch Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe und Rainer Maria Rilke.
Sabine Cwieczek spielte neben Ludwig van Beethoven unter anderem Stücke von Benjamin Godard und Robert Schuman. Die 46-jährige Musikerin ist gebürtige Schlesierin, lebt aber mittlerweile schon 20 Jahre in Mannheim. Sie beklagt, dass die musikalische Begabung in Deutschland kaum vom Staat gefördert wird. In Oberschlesien besuchte sie ein Musikgymnasium und musste zweimal im Jahr einer Kommission etwas vorspielen. „Meine Eltern waren arm, ich musste nichts bezahlen. Ich musste aber vorzeigen, dass ich arbeite“, so die Musikerin.
