Oldenburg - Es ist ein Gerücht, dass Cellisten im Souterrain des Hochhauses der Musik wohnen würden, dort unten, wo eben die Bassschlüssel zu Hause sind. Wenn Peter Bruns in die Saiten greift, dann sitzt er offensichtlich ganz oben auf der Dachterrasse, direkt unter blauem Himmel. Und die Zuhörer im 7. Sinfoniekonzert im Großen Haus des Staatstheaters fühlen sich nachdrücklich auf diesen sonnenüberfluteten Platz eingeladen.

Das Gefühl für Hohes und hoch Schwingendes kommt bei Bruns nicht nur daher, dass Luigi Boccherini in seinem Cellokonzert D-Dur G. 479 den Solisten permanent über die Daumenlage hinauf zu schwindlig machenden Aussichten jagt. Der Leipziger Professor flutet das Werk mit anstachelndem Esprit. Nie wirkt seine attraktive Virtuosität aufgesetzt. Intensiv widmet er sich auch miniaturgleichen Figuren, sein Spiel federt, sein Ton ist von sprechender Intensität.

Das Staatsorchester unter Vito Cristófaro steigt bereitwillig zum Höhenflug ein. Gioacchin Rossini (Ouvertüre zu „La gazza ladra“) wird angesteuert, auch Luciano Berio (mit dem groß instrumentierten Boccherini-Quintett „Ritirata notturna di Madrid”). Mit einigem Getöse landen alle bei Richard Strauss (Sinfonische Fantasie „Aus Italien”).

Dem Oldenburger 1. Kapellmeister, geboren im italienischen Catanzaro, liegen südländisches Empfinden und Genießen spürbar. Cristófaro mag kräftige Farben schätzen, wohl auch vollmundigen Klang. Aber er ist ebenso ein Mann feiner Nuancen und Andeutungen.

Der knalligen Marscheinleitung bei Rossini gibt er parodistisch ein Augenzwinkern mit auf den Weg. Im Boccherini-Konzert lässt er die Begleitfiguren filigran nur von zwei Violinen ausführen.

Kein Gerücht ist es, dass der junge Strauss mit seinen Italien-Stimmungen auf die Nerven gehen kann. Es gereicht Musikern und Dirigent zur Ehre, dass sie nicht versuchen, Banalitäten aufwerten. Sie stufen zuvörderst die Klangfarben reichhaltig ab, zeigen, dass sie hier mehr Ausdrucksträger sind als reine Kolorierung. Cristófaro verbindet mit sicherem Gespür für Klangökonomie und Spannungsaufbau die Teile bruchsicher miteinander. „Auf der Campagna” oder „Am Strande von Sorrent“ dürften sich alle Hörer wohlfühlen. Es soll durchaus bewölktere Sommer geben.