Oldenburg - Das Staatsorchester meldet sich gut gelaunt aus dem Urlaub zurück. Jedenfalls breitet es in der Wiederaufnahme von George Bizets „Carmen“ im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters jene Qualitäten aus, mit denen es sich aus der alten Spielzeit verabschiedet hatte.
Das Sängerensemble hat sich höchst motiviert wieder eingefunden. Geschlossen sehr gut bis glänzend präsentiert es sich in der ersten Vorstellung. Und hinter der Bühne läuft alles sofort auf Touren. Auch die Nebelwerfer für die manchmal mystische Atmosphäre sind wohl dosiert eingesetzt. Der Opernklassiker kehrt mit den alten Meriten und zwei Neubesetzungen zurück. Am Pult weiß Carlos Vasquez die Vorbereitung von Hendrik Vestmann auf seiner Seite. Ohne Gedonnere, aber auch ohne Untertreibung stützt und kommentiert er mit seinem Dirigat das Geschehen auf der Bühne und heizt beherrscht die Emotionen an.
Eine unbändige Kraft der Gefühle bringt der neue Don José ins Spiel. Jason Kim ist am Theater Plauen-Zwickau der Publikumsliebling. In Oldenburg ist das der südkoreanische Tenor nach knapp drei Stunden auch. War Vorgänger LeRoy Johnson als haltlos Verführter für seinen Heldentenor gefeiert worden, wirkt Kim sensibler. Spitzentöne verbreiten Glanz. Musikalisch wie darstellerisch kommt sein Don José mitreißend glaubhaft über die Rampe.
Melanie Lang wird als Carmen ebenso gefeiert. Ihr Mezzo deckt stimmlich alle Facetten der vielschichtigen Rolle ab. Darstellerisch bürdet ihr Robert Lehmeiers sonst innovative Regie ein nicht gut austariertes Gewicht auf.
Die Zigeunerin lebt davon, mit erotischer Kraft Männer bis in die Vernichtung zu treiben. Doch sie bleibt unfrei, weil sie selbst in dieser Vorgabe gefangen ist.
Da klingen die Parolen von „Liberté” und „freiem Leben in den Bergen” hohl. In dieser Rolle stecken überzeugendere Deutungen.
