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Premiere Am Oldenburgischen Staatstheater Dieser Wunschpunsch ist was für die ganze Familie

Horst Hollmann

Oldenburg - Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch! Ja, Sapperlot und Donnerknispel. Was hat Michael Ende (1929–1995) sich denn da für einen Titel ausgedacht? Der passt doch kaum in eine Überschrift! Und malt Euch nur mal aus, diese Geschichte um die abgedrehten Zauberer Beelzebub Irrwitzer und Tyrannja Vamperl würde auch noch in der Stadt mit dem längsten Namen in Europa spielen, in Lllanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiligiogogogoch!

Gibt es wirklich. Lllanfairundsoweiter liegt in Wales auf der britischen Insel, hat 3040 Einwohner. Da wäre Jeddeloh I oder Jeddeloh II leichter zu merken. Oder noch besserer: Ee! Gibt es in Holland. Oder schlicht Y. Den Ort findet Ihr in Frankreich.

Erst einmal spielt die Geschichte aber im Staatstheater, im Großen Haus, und das noch 34-mal bis zum 27. Dezember. Dort regt das vorweihnachtliche Familienstück für Menschen ab sieben Jahren und ohne Begrenzung nach oben die Fantasie mächtig an.

Rat der Tiere

Die verqueren Dinge spielen sich in skurriler Wirklichkeit nicht direkt irgendwo ab – weil sie überall passieren können. Irrwitzer (Jan Breustedt) ist zuständig für alle Umweltzerstörungen, die der Mensch durch wissenschaftlich abgesicherte Dummheit anrichtet. Seine Tante, die Geldhexe Vamperl (Helen Wendt), gilt als Spezialistin für Ausbeutung.

Beide haben sich bei „Seiner Höllischen Exzellenz” vertraglich dazu verpflichtet, pro Jahr eine feste Zahl von bösen Taten zu vollbringen. Doch der wehrhafte „Hohe Rat der Tiere” hat sie hinterhältig cool daran gehindert, ihr Soll zu erfüllen.

Um fünf Uhr nachmittags am Silvesterstag liegen die Magier saftig im Rückstand. Da brauen die beiden in letzter Verzweiflung jenen Wunschpunsch. Der soll jeden für etwas Gutes ausgesprochenen Wunsch ins Gegenteil verkehren. Doch das Unterfangen läuft gegenteilig aus dem Ruder.

Michael Endes Zaubermärchen von 1989 steckt in der Buchfassung voller hinterhältiger Anspielungen auf Macht und Dummheit. Regisseurin Krystyn Tuschhoff gelingt eine klug komprimierte Bühnendeutung, in der Slapstick geradezu hingezaubert wird.

Doch inmitten aller szenenwirksamen Turbulenzen steuert sie zielsicher das Thema Umweltvernichtung an. So wirkt einer der stilleren Momente am eindringlichsten. Die natürlichen Feinde Kater di Mauro (Fabian Kulp) und Rabe Krakel (Fabian Felix Dott) erzählen sich ihre Lebensgeschichten und beschließen, gemeinsam die Welt zu retten.

„Meine Großmutter sagt, wenn Du Dich für etwas begeisterst, dann tue es”, führt Maurizio di Mauro aus. „Wenn nicht, dann schlafe weiter.“

Ein Wortungetüm

An die Stelle von Irrwitzers Villa Albtraum hat Uta Materne ein auch für Haie trockengelegtes Schwimmbecken auf die Bühne gestellt. Britta Leonhardt steigert die schrille Buntheit der Kostüme bis zum Anschweben der Gondel von St. Sylvester mit dem entscheidenden Glockenschlag. Johannes Lange füllt diese Rolle und die des höllischen Gerichtsvollziehers Maledictus Made mit einer schlangenhaften Gelenkigkeit aus, mit der würde er jeden Ski-Slalom gewinnen. Der erste Teil wirkt noch etwas langstielig, auch sprachlich, der zweite reißt alle mit.

Natürlich haben alle Leser längst bemerkt, dass dieses Wortungetüm von Titel nun doch in der Überschrift dieses Artikels steht.

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