Hatterwüsting/Oldenburg - Einmal im grellen Scheinwerferlicht auf der Bühne des Odlenburgischen Staatstheaters stehen. Für ein paar Minuten im Zentrum der Aufmerksamkeit des Publikums: Nicht viele Erwachsene haben das schon erlebt. Für 20 Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten Alte Dorfschule in Hatterwüsting ist es am Sonntagabend Wirklichkeit geworden.
Die Drei- bis Sechsjährigen sangen als Überraschungsgäste der „Zugvogelmusik“, einem Konzert mit internationalen Musikern, ihr Lied von der Nonnengans. Gemeinsam mit Kita-Leiterin Gabi Arians, Sozialassistentin Ann-Kathrin Sillje und Praktikantin Beke Löllmann kamen die Kleinen im Großen Haus groß raus. Kurz vor 20 Uhr marschierten die Kinder mutig auf die Bühne, machten dabei die Rufe der Seevögel nach, wie sie zuvor im Foyer des Theaters zu hören waren.
Sieben Strophen hat das von Gabi Arians und Ann-Kathrin Sillje im Sommer nach der Melodie von „Dornröschen“ getextete Lied. „In der ersten Strophe lief es noch nicht ganz rund, wir sangen unfreiwillig zweistimmig, doch dann sind wir richtig in Fahrt gekommen“, freut sich Arians.
Was die vielen Zuhörer im Theater nicht ahnen konnten, die jungen Sänger hatten schon aufregende Stunden hinter sich. Die Anreise mit ihren Eltern im von Petra Suck-Barkemeyer zur Verfügung gestellten Bus, die Bühnenprobe, das Warten hinter den Kulissen. Das Ganze zog sich gefühlt endlos hin, die Hektik nahm mit Minute zu Minute zu. Was tun? – Improvisieren war das Gebot der Stunde.
„Wir gehen jetzt alle noch mal raus auf den Spielplatz hinter dem Theater“, entschied Gabi Arians. Volltreffer! Nach 20 Minuten toben waren die Kinder wie ausgewechselt – und auch die Erwachsenen wieder etwas entspannter. Für die Geschichte von König Plopp und ein Fingerspiel blieb dann auch noch Zeit, bis es wirklich im Gänsemarsch auf die Bühne ging. Als beim Auftritt dann die afrikanischen Musiker, die vor den Kindern aufgetreten waren, im Hintergrund mitschnippten, war das „ein tolles Gefühl für uns“, gesteht Arians.
Musikproduzent Jürgen Kühling, der am Sonntagabend moderierte und den vom Deutschen Chorverband mit dem „Caruso“ ausgezeichneten Kindergartenchor verpflichtet hatte, war am Montag immer noch hin und weg. „Der Auftritt war der Hammer. Standing Ovations vor der Pause, das habe ich noch nie erlebt“, verriet er. Mitreißend, „total fresh“ und „sympathisch unperfekt“ seien die Kinder gewesen, eben keine dressierten Wiener Sängerknaben, das habe das ganze Konzert geerdet.
Kühling kennt den „Nationalpark Wattenmeer“-Leiter Peter Südbeck seit der Kindheit und hat mit ihm die Idee entwickelt, mit „Zugvogelmusik“ auf die eigentlichen „Zugvogeltage“ (14. bis 22. Oktober im Wattenmeer) hinzuweisen. Sein Fazit: „Kein Konzert von der Stange, ein ausverkauftes Haus. Das schreit eigentlich nach einer Wiederholung.“
