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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gefühls-Chaos im Staatstheater

12.10.2017

Oldenburg Viele Opern Mozarts sind thematisch auch heute noch aktuell oder zumindest mühelos in die Gegenwart übertragbar, wie etwa „Die Hochzeit des Figaro“ oder „Così fan tutte“.

Doch wie geht man mit einer Geschichte um, in der eine junge Frau durch einen Überfall von ihrem Verlobten getrennt, auf einen Sklavenmarkt verschleppt und schließlich in einen türkischen Palast verkauft wird? Und dessen Bewohner und Landsleute im Allgemeinen auch noch als Schurken und Barbaren bezeichnet werden? „Man muss sich entscheiden, ob man das Stück politisieren möchte und den Kontext des Aufeinanderprallens verschiedener Kulturen zum Thema macht oder die emotionalen Zustände der Figuren“, sagt Dramaturgin Valeska Stern. Für Letzteres hat man sich am Oldenburgischen Staatstheater entschieden, wo „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart an diesem Samstag, 14. Oktober, Premiere feiert.

Das Thema Orient war zu Mozarts Zeiten einerseits ein Trend, andererseits so etwas wie eine Folie, um das zu verschleiern, was man eigentlich ausdrücken wollte und wird in der Oldenburger Fassung komplett weggelassen. Stattdessen wird sehr klar über das zentrale Liebesdreieck gesprochen: Eine Frau befindet sich zwischen zwei Männern und muss sich für einen von ihnen entscheiden. Diese Frau ist Konstanze und anstatt als Sklavin im türkischen Serail des Bassa Selim zu leben, ist eben jener ihr Partner, der sie in sein Landhaus entführt. Wie in der Originalfassung bedrängt er sie, sie möge ihm angehören, doch nun tut er dies, indem er plant, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch Konstanze findet vorher den Ring und gerät in ein Gefühlschaos, ob sie diesen Antrag tatsächlich annehmen soll. Dazu kommt ihr Exfreund Belmonte, der sie zurückgewinnen will und für den sie ebenfalls noch Gefühle hegt. „Das Aufeinandertreffen der Figuren in dem Landhaus wird von der Regisseurin Kateryna Sokolova als ein sehr psychologisches Kammerspiel inszeniert. Dort werden alle emotionalen Facetten der Figuren dargelegt“, so Stern.

Verbleibende orientalische Elemente in der Musik beschränken sich auf die Auftritte der Figur des Osmin, eines Angestellten des Bassa Selim, und des Chores. Alle anderen Figuren sind mit typischer Mozartmusik ausgestaltet und jede einzelne Nummer ist sehr emotionsgeladen. „Das ist genau das, worauf die Regisseurin ihren Schwerpunkt setzt“, führt Stern weiter aus. „Die Figuren sind eng beieinander und hinterfragen ihre Gefühle. Nummer für Nummer entwickeln sie sich weiter. Es ist eine Konzentration auf das Emotionale und Psychologische und der Orient wird nur als das gesehen, was er früher war, nämlich eine Folie für unaussprechbare Emotionen. Und diese Folie brauchen wir heute einfach nicht mehr.“ Entsprechend sind auch auf der Bühne keine orientalischen Palastmauern zu erwarten, sondern man sieht ein modernes, schickes Landhaus.

In der Rolle des Bassa Selim als reine Sprechrolle ist Johannes Sima zu sehen. Als Konstanze wird Sooyeon Lee zu sehen und zu hören sein, Belmonte gibt Philipp Kapeller. In den Rollen von Blonde und Pedrillo, zwei Angestellte von Bassa Selim, treten Alexandra Scherrmann und Timo Schabel auf. Osmin wird durch Ill-Hoon Choung verkörpert. Kateryna Sokolova führt nach einer Co-Regie im vergangenen Jahr hier nun ihre erste eigene Musiktheater-Regie in Oldenburg. Außerdem hat sie die modernisierte Dialogfassung bearbeitet. Für Bühne und Kostüme zeichnet Christian Andre Tabakoff verantwortlich. Die Musikalische Leitung hat Vito Christofano.

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