Wie kommt man darauf, ein Festival zu gründen?
Schneider Die ganze Geschichte hat natürlich in Cuxhaven begonnen – ich war zu der Zeit beruflich dort und Marc kurz vor dem Studium. Wir wollten ein Angebot für junge Leute schaffen, weil wir so etwas vermisst haben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Konzept für ein Festival am Meer geschrieben – mit der Idee, dass man sich nach einem staubigen Tag im Meer abkühlen kann. Das haben wir bisher aber nicht umsetzen können.
EngelkeIch habe in Oldenburg mein Abitur gemacht und hatte dort auf dem Schlossplatz schon ein Festival organisiert, als mich ein paar Leute aus meiner Heimat Cuxhaven ansprachen, ob ich das nicht auch dort machen könnte. Parallel haben sie auch Daniel gefragt, der dort bereits kulturelle Veranstaltungen organisiert hat.
Wie habt ihr die rasante Entwicklung eures Festivals erlebt?
SchneiderWir sind zwar schnell gewachsen, aber stetig. 2005 sind wir mit 500 Besuchern gestartet. Der Schritt von 2012 auf 2013 war krass – von 25 000 Besucher auf 35 000. Die Bühnengröße 2010 war auch schon ein anderer Schnack. Da stand ich auf dem Gelände und dachte: „Das ist jetzt ein richtiges Festivalgelände.“
Könnt ihr vom Festival leben?
Engelke Bis 2009 haben wir tiefrote Zahlen geschrieben. Wir haben aber immer weiter gemacht, um mit dem nächsten Festival das vorherige zu bezahlen. Seit 2010 leben wir vom Deichbrand.
Was war der Knackpunkt?
Schneider Als wir 2009 für Mando Diao eine sechsstellige Gage zahlen mussten, haben wir entschieden, dass wir es ab sofort richtig angehen müssen.
EngelkeDamals mussten wir die Bands zur Hälfte per Vorkasse bezahlen, zur anderen Hälfte in bar auf dem Festival. Zwei Stunden vor dem Auftritt haben wir den Managern einen Koffer mit dem Geld in die Hand gedrückt. Heute haben wir einen Namen in der Branche und können auf Rechnung buchen.
Was waren die schönsten Momente?
EngelkeDas letzte Jahr war für mich das schönste. Es waren einfach perfekte Bedingungen. Alle waren entspannt, und es hat alles funktioniert. Der zweite Höhepunkt war 2009: Der erste Hubschrauberflug über das Gelände. Das war absoluter Wahnsinn: von oben zu sehen, was aus den kleinen Anfängen geworden ist.
SchneiderIch erinnere mich, dass wir im vergangenen Jahr vor dem Festival einen Rundgang über das fertige Gelände gemacht haben, und ich total begeistert war.
Und was waren die größten Katastrophen?
Engelke2008! Da sind wir total abgesoffen. Der Aufbau versank im Schlamm – wir mussten einige Lkw mit Panzerraupen rausholen lassen. Normalerweise bauen wir eine Woche ab, damals haben wir wegen der schlechten Verhältnisse sechs gebraucht.
SchneiderWir wollten damals mit Sportfreunde Stiller und Deichkind richtig durchstarten. Die Tageskasse blieb aber leer, weil die Leute nicht mal bis zu den Kassen durchgekommen sind. Das war sehr ärgerlich, hat uns aber auch gezeigt, wie wetterfest unser Publikum ist – die Leute, die da waren, sind geblieben.
An welche Bands erinnert ihr euch am liebsten?
EngelkeAuf jeden Fall an Mando Diao 2009 – das ist nach wie vor eine meiner Lieblingsbands. Auch die Beatsteaks 2012 und die Toten Hosen im vergangenen Jahr waren super. Das war ihr Jahr, die Leute haben sie gefeiert.
SchneiderMein Highlight waren auch die Beatsteaks – das war ein super Konzert. Aber auch Casper, die Sportfreunde Stiller und Kraftklub im vergangenen Jahr.
Auf wen freut ihr euch dieses Mal besonders?
SchneiderWir sind riesige Fans von Biffy Clyro und The Prodigy.
EngelkeThe Prodigy wird alles wegblasen. Die Soundanforderungen, die die gestellt haben, sind außergewöhnlich. Paul Kalkbrenner wird zudem eine großartige Lichtshow haben. Und ich will mir unbedingt Cro anschauen. Der ist in seinen jungen Jahren einfach ein Phänomen.
