STAPELFELD - Migranten haben nicht mehr Suchtprobleme als Einheimische – bei der Suchtberatung muss aber eine andere Vorgehensweise erarbeitet werden, um sie zu erreichen. Diese These vertrat Dr. Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, am Dienstagabend in Stapelfeld. In der Katholischen Akademie war zuvor eine Fachtagung zu dem Projekt „transVer – transkulturelle Versorgung von Suchtkranken“ über die Bühne gegangen. Sprachbarrieren, mangelndes Vertrauen und fehlende Informationen – so Gaßmann weiter – hielten drogenabhängige Migranten sowie deren Familien zumeist davon ab, Hilfe bei der Suchtberatung zu suchen oder eine Therapie zu beginnen.
Bis Frühsommer 2012 läuft das Modellprojekt an sechs Standorten: Neben Berlin, Köln, Nürnberg, Leipzig und Warstein ist auch die Cloppenburger Drogenberatungsstelle „Drobs“ dabei. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Martina Schu (Köln) und der Hochschule Emden/Leer.
Seit zwei Jahren beschäftigt die Drobs Cloppenburg Maria Shestakova im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit finanzierten Projekts. Mit einer offenen Beratung, unterstützender Begleitung in Entgiftungsstationen und der Therapiegruppe seien bislang rund 150 Betroffene kontaktiert worden. Für diesen positiven Effekt hätten aber auch die Zweisprachigkeit des Angebots, gemeinsame Frauenfrühstücksrunden und Homepartys gesorgt – bei den beiden Letzteren sei mit den Müttern der Abhängigen in ungezwungener Atmosphäre geredet worden.
