Stapelfeld - Zum achten Mal hatten das Bischöflich Münstersche Offizialat und die Katholische Akademie zum Martinstag nach Stapelfeld eingeladen. „Wir haben uns bei der Referenten-Suche am Werdegang des Heiligen Martin von Tours orientiert“, erklärten Dominik Blum vom Offizialat und Akademiedirektor Dr. Heinrich Dickerhoff den mehr als 100 Zuhörern. Martin sei schon als Jugendlicher in die kaiserliche Leibgarde gekommen und habe sich später taufen lassen, nachdem er als Offizier mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen war. Was also lag näher, als einen Soldaten zum Vortrag einzuladen?
Als idealen Referent fanden Blum und Dickerhoff Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks, Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe. Rieks ist Mitglied im Katholikenrat beim Katholischen Militärbischof und Mitglied der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). In Stapelfeld sprach er darüber, ob der Heilige Martin heute noch soldatisches Vorbild sein könne. An seinen Vortrag schloss sich eine lebendige Diskussion mit den Zuhörern an.
Die Frohe Botschaft sei auch eine Geschichte der Gewalt und des Umgangs mit Gewalt bis hin zum Kreuzestod Jesu, sagte Rieks. Jesus habe aber die Botschaft Gottes neu verkündet und in der Bergpredigt eine frohmachende und befreiende Botschaft verkündet. „Aus christlicher Sicht besteht ein Grundkonsens zur Gewaltminimierung“, sagte der General. Jesus habe aber den Soldatenstand nicht grundsätzlich abgelehnt. Nicht umsonst habe die Katholische Kirche viele Soldatenheilige, unter ihnen Ignatius von Loyola, Christophorus, den Heiligen Georg oder den Erzengel Michael. Der Heilige Martin von Tours sei daher mit seiner soldatischen Biografie nicht außergewöhnlich.
Diese Heiligen sahen für sich einen klaren missionarischen Auftrag. Dazu wünsche er auch seiner Kirche heute noch etwas mehr Mut, meinte Rieks, der den Auftrag aber nicht militärisch verstanden haben wollte. Wenn man wirklich davon überzeugt sei, dass sein Glaube der beste sei, müsse man dafür auch öffentlich einstehen. Kriege seien leider nicht immer vermeidbar, sagte er, doch für eine ethische Legitimation gäbe es Kriterien: Gewalt dürfe nur gegen diejenigen ausgeübt werden, die selbst Gewalt ausüben. Ein Waffeneinsatz solle den kleinstmöglichen Schaden anrichten, das letzte Mittel sein und vor allem das kleinere Übel gegenüber anderen Folgen darstellen. „Der Soldat, der die Sicherheit und Freiheit seines Vaterlandes garantiere, trage wahrhaft zu Festigung des Friedens bei“, zitierte Rieks aus der vom Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 veröffentlichen Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“.
Die deutschen Bischöfe hätten in einer Erklärung im Jahr 2000 den gerechten Frieden mit Minderheitenschutz, guter Regierungsführung, Chancengleichheit, freier Religionsausübung, Beachtung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit definiert. Kriegsleute könnten weiterhin im heiligen Stande sein, wenn sie solche Punkte beachten würden, meinte Rieks, der damit auf internationale Einsätze der Bundeswehr anspielte. Die Hilfe für Notleidende, Flüchtlinge und Unterdrückte sei ein christlicher Auftrag. Militärische Gewalt sei dabei manchmal nötig, dürfe aber immer nur im äußersten Fall eingesetzt werden, betonte der Luftwaffengeneral, für den Begriffe wie gute Menschenführung, Verantwortung und Gewissen einen hohen Stellenwert haben.
Der Heilige Martin, zeigte er sich überzeugt, sei immer noch gutes Vorbild für Hilfsbereitschaft, Engagement, Friedensethik, Berufung, Verantwortung und Ziele im Leben.
