STAPLEFELD - Auch das vierte Konzert der Reihe „Weltklassik am Klavier“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) ist am Sonntag ein Genuss gewesen. Diesmal zeigte die Japanerin Mizuka Kano ihr Können. Sie wurde 1978 in Tokyo geboren, begann im Alter von vier Jahren bei der Mutter mit Klavierunterricht, studierte Musik in Japan und kam 2003 nach Berlin, um dort ihre Ausbildung bei Klaus Hellwig fortzusetzen. In den vergangenen zehn Jahren errang sie viele wichtige internationale Preise, u.a. den ersten Preis und die Goldmedaille im 15. Internationalen Robert Schumann-Wettbewerb in Zwickau (2008).

Mit diesem Komponisten begann auch ihr Programm in der Akademie: Sie spielte die „Kinderszenen“ op.15, ein vielen Klavierschülern bekannter Zyklus aus 13 Miniaturstücken, wovon das bekannteste wohl die „Träumerei“ ist. Schumann (1810 bis 1856) komponierte sie nicht für Kinder, wie sein „Album für die Jugend“, sondern als Erinnerung für Erwachsene. Mizuka Kano spielte sie mit einer großen Anmut und Leichtigkeit und zauberte durch ihre ausdrucksstarke Melodik und ihren weichen, differenzierten Anschlag ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer. Die Freude am eigenen Spiel kam auch beim nächsten Werk Schumanns, dem „Carneval“ op.9, zum Ausdruck, zu dem Kano selbst eine kleine Einführung gab: Der Komponist schrieb diese 23 kurzen Charakterstücke für seine damalige Verlobte Ernestine, die in einem Ort namens „Asch“ geboren wurde und wollte sie „FASCHingsschwänke in vier Tönen“ nennen, was sein Verleger ihm verweigerte. Schumann komponierte den Geburtsort seiner Verlobten in diese lebhaften Stücke hinein, indem er oft die Tonfolge a, es, c, h verwendete. Die Pianistin hob den Charakter der einzelnen Stücke ausgezeichnet hervor durch technisch brillante Läufe und klar gespielte rhythmische Verschiebungen. Gerade schwierige Passagen schienen ihr besondere Freude zu machen. Das Publikum bedankte sich, wie auch schon nach den „Kinderszenen“, mit anhaltend herzlichem Applaus.

Nach der Pause stand der französische Spätromantiker und Impressionist Claude Debussy (1862 bis 1918) auf dem Programm, dessen Musik man als Bindeglied zwischen Romantik und Moderne sieht, und dessen 150. Geburtstag am 22. August gefeiert wird. Seine Komposition „Children’s Corner“ widmete er seiner kleinen Tochter „Chouchou“. Diese sechs kurzen Stücke lassen sich gut mit den „Kinderszenen“ vergleichen, wobei das bekannteste, „Golliwog’s cake-walk“, schon als Vorläufer des Ragtime gelten kann. Das frische, lebendige Spiel Kanos wurde vom Publikum mit lebhaftem Beifall belohnt. Danach präsentierte sie zwei der insgesamt zwölf Etüden Debussys, welche nicht nur Übungsstücke darstellen, sondern mit denen der Komponist eine ganz neue Klaviertechnik begründet und eine unvergleichlich tiefe und vielfältige Klangwelt erschließt.

Zum krönenden Abschluss des Programms erklang „L’Isle Joyeuse“ (Insel der Freude), sein bekanntestes Klavierwerk, wenn man einmal von den Arabesken absieht. Kraftvoll und strahlend brachte Kano die hier vertonte gesteigerte Lebenslust und -freude zum Ausdruck. Nachdem die Zuhörer Bravo gerufen hatten, ließ sich die Pianistin noch eine wunderbare Zugabe entlocken: Ein von Franz Liszt für Klavier bearbeitetes Lied von Schumann, das den Titel „Widmung“ trägt und von Kano mit einer unvergleichlichen Hingabe und künstlerischen Meisterschaft auf die Tasten gezaubert wurde.

So bleibt am Ende der von KAS-Dozent Heiko Fabig geäußerte Wunsch, dass am Sonntag, 10. Juni, 17 Uhr, recht viel auch junges Publikum erscheinen möge, wenn es heißt: „Weltklassik am Klavier – Als Beethoven die Moderne erfand!“