Brake - Im Saal ist es dunkel. Plötzlich hallt ein markerschütternder Schrei durch das Central-Theater, ehe ein erlösender Scheinwerfer das Gesicht von Cornelia Gutermann-Bauer erhellt. Die Schauspielerin war jetzt anlässlich des internationalen Frauentages im Braker Kulturzentrum zu Gast, um dort das Stück „Kassandra“ aufzuführen – leider nur vor rund 20 Zuschauerinnen.
Seherische Kräfte
Gutermann-Bauer schlüpft in die Rolle von Kassandra, sie ist die Tochter von Priamos, König von Troja. Ihrer Schönheit hat sie es zu verdanken, dass der Gott Apollon ihr seherische Kräfte verliehen hat. Da sich Kassandra jedoch Apollon verweigert, er ihr die einmal verliehenen Kräfte jedoch nicht mehr entziehen kann, bestimmt er, dass alle, die von Kassandra Weissagungen für die Zukunft erhalten, diese nicht glauben sollen. Dies geschieht auch, als Kassandra das Ende von Troja vorhersieht.
Die junge Frau wächst behütet Zuhause auf, doch der Krieg um Troja entreißt ihr den Bruder und den Geliebten und am Ende wird sie selbst zur Kriegsbeute, zur Sklavin von Agamemnon, der Troja besiegte. Beim Warten auf ihre Abholung, in der Dunkelheit einer Höhle beginnt sie über ihr Schicksal nachzudenken und beschreibt dem Publikum, was ihr widerfahren ist.
Gutermann-Bauer verkörpert im Central eine junge, starke Frau. Unter der Regie von Günter Bauer ist ein vielfältiger Monolog entstanden, der nicht nur einen Blick auf die Machtverhältnisse in Troja wirft, sondern auch auf die Stellung der Frauen in jener Zeit. Kassandra wächst behütet auf. Erst dann begreift sie, wie es ist, außerhalb der Palastmauern für sich selbst sorgen zu müssen und schließlich als Kriegbeute einem Mann unterworfen zu sein. Die Männer in dieser Zeit sind Patriarchen, die ihre Ehre vorzugsweise mit dem Schwert verteidigen.
Spiel mit Leidenschaft
Die Protagonistin spielt leidenschaftlich und mit großer Hingabe. Sie setzt dabei wenig Mimik ein, arbeitet mit minimaler Gestik und verlässt sich vor allem auf ihre Stimme. Das Publikum lauschte hochkonzentriert der Darbietung.
Zustande gekommen war das Gastspiel in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Brake und Elsfleth, Karin Büttner und Waltraud Ralle-Klein, sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde und Stadland, Katja Kohnert.
