Starnberg - „Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstages anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung“, erklärt Klaus Voormann wenige Tage vor seinem Geburtstag am Sonntag, 29. April. Der Musiker und Grafiker hat den Musikpreis Echo für sein Lebenswerk erhalten und zurückgegeben. Damit protestierte er – wie auch andere Künstler – gegen die Echo-Ehrung der Rapper Kollegah und Farid Bang.

Provokation sei manchmal notwendig, erläutert Voormann. Die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten dürfe jedoch nicht überschritten werden.

Klare Worte des gebürtigen Berliners, der als bedächtiger, oft im Hintergrund agierender Künstler gilt. Als international gefragter Bassist und auch als Grafiker hat er die Rockgeschichte entscheidend mitgeprägt. Ob John Lennons „Imagine“, George Harrisons „All Things Must Pass“, Randy Newmans „Short People“ oder Lou Reeds „Transformer“ – Voormann war als Bassist dabei. Lange Zeit lebte er in London und Los Angeles.

Die Begegnung mit dem Rock’n’Roll war für ihn wie ein Schock, erinnert er sich später: Als Voormann nach einem Streit mit seiner Freundin im Jahr 1960 nachts über die Reeperbahn streifte, hörte er aus einem Keller einen undefinierbaren Krach. Auf der Bühne des „Kaiserkeller“ standen fünf junge Männer, die sich die Seele aus dem Leib rockten: die Beatles. Er habe nur staunen können, wie sie mit ihren Instrumenten einen solchen Druck machten. „Die Beatles haben sich bis zum heutigen Tag wie ein roter Faden durch Jahrzehnte meines Daseins gezogen“, schreibt er in seinem Buch „Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John“ (Heyne, 328 Seiten, 14 Euro).

Voormann studierte zu dieser Zeit in Hamburg an der Meisterschule für Gestaltung und arbeitete als Grafiker und Illustrator. Seine musikalische Vorliebe galt bis zur Begegnung mit den Beatles der Klassik und dem Jazz.

Die jungen Musiker aus Liverpool hatten in ihrer Zeit in Hamburg kaum Geld und standen noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Zwischen ihnen und der Clique von Voormann entwickelte sich eine Freundschaft, die auch anhielt, als die Musiker später weltberühmt wurden.

Als Voormann in England sein Glück sucht, wohnt er gemeinsam mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr in einer Wohnung. Und als die Beatles mit ihrem Album „Revolver“ von 1966 musikalisch neue Wege einschlagen, fragen sie ihren Freund Voormann, ob er nicht Lust hätte, das Cover zu gestalten. Die Collage mit stilisierten Zeichnungen brachte ihm 1967 einen Grammy für das beste Schallplattencover ein.

Nach der Trennung der Beatles spielte Voormann in der britischen Band von Manfred Mann, gemeinsam mit Eric Clapton bei John Lennons „Plastic Ono Band“ sowie mit George Harrison auf dem großen Benefizkonzert für Bangladesch 1971. Auch als Studio-Musiker war Voormann gefragt. Zu dem Hit „You’re so Vain“ der US-Sängerin Carly Simon steuerte er eines der wohl berühmtesten Bass-Intros der Rockgeschichte bei.

Er war an wichtigen Stationen der Rockgeschichte hautnah dran, blieb aber immer bodenständig. Kraft gäben ihm vor allem Freundschaften und seine Familie, sagte Voormann einmal. Mit seiner Frau Christina, mit der er einen Sohn und eine Tochter hat, lebt er heute in der Nähe von München am Starnberger See.