Oldenburger Land/Bremen - Zur Arroganz neigen Bremer nicht unbedingt. Sonst könnten sie für ihr 26. Musikfest glatt vorgeben: Wir sind hier im Zentrum die Sonne, und rund um uns herum kreisen viele kleinere Planeten.
Falsch wäre das Bild nicht. Vom 29. August bis zum 19. September strahlt der intensivste Glanz natürlich aus dem Mittelpunkt in Bremen heraus. Angefangen bei der Großen Nachtmusik mit 27 Kurzkonzerten in der Innenstadt, fortgesetzt mit Auftritten von Bryan Terfel (Bassbariton), Andras Schiff (Klavier), Operndarbietungen und Orchestergastspielen und beendet mit der Rossini-Oper „La Cenerentola”, liegen die Schwerpunkte in der Hansestadt.
Doch durchs Umland nach Osten bis Hamburg und nach Westen bis Groningen kreist die Musik so vielfältig wie selten. Vollständig ausgelagert ist wieder das Arp-Schnitger-Festival mit Konzerten etwa auf den prächtigen Instrumenten in Langwarden (Wesermarsch/30. August), Wiefelstede (Ammerland/2. September) oder Ganderkesee (Landkreis Oldenburg/6. September).
Die anderen „Satelliten-Konzerte“ bestechen durch außerordentliche Qualität. In der Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek gastiert Le Cercle de l’Harmonie mit den letzten drei großen Mozart-Sinfonien als Zyklus (5. September). In der Schlosskirche Varel (Friesland) treten die Sopranistin Gemma Bertagnoli und das Instrumentalensemble „Divino Sospiro“ mit Werken von Händel, Avison und Pergolesi auf (8. September). Im Oldenburger Schloss geben sich Sol Gabetta (Cello) und Bertrand Chamayou (Klavier) den Titel „Duo infernale” und spielen Beethoven und Chopin (9. September).
Weltklasse verkörpert die Geigerin Janine Jansen, die auf Schloss Gödens (Kreis Friesland/11. September) auftritt. Ihr Partner am Klavier bei Werken von Brahms, Bartok, Kreisler und de Falla ist Itamar Golan. Leer erlebt im Theater an der Blinke die Amazing Keystone Big Band in „A Tribute to Quincy Jones” (11. September). Groß dimensioniert ist Bachs h-Moll-Messe in der St.-Laurentius-Kirche in Langförden (Kreis Vechta/16. September).
„Wir bringen Stars und Aufsteiger ebenso zusammen wie fünf Jahrhunderte Musikgeschichte“, fasst Intendant Thomas Albert den Charakter des Musikfestes knapp zusammen.
In der Tat: Ein ganzer Musik-Kosmos!
