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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Stationen ständiger Unruhe

23.07.2010

NEW YORK Am 25. August 2010 wird die amerikanische Künstlerin Dorothea Tanning 100 Jahre alt. Die letzten zehn Jahre bis zu seinem Tod lebten die beiden in einem schönen Haus in Seillans (Département Var). Das dortige Max-Ernst-Museum (Maison Waldberg) würdigt Tannings Werk bis Ende Oktober mit einer großen „exposition hommage“. Das Max-Ernst-Museum in Brühl hält sich mit Sonderführungen respektvoll zurück.

„Jetzt sind wir Provencalen, sonnengereift wie Feigen. Seillans ist von nun an unsere Heimat!“, schreibt die aus Illinois stammende und heute in New York lebende Autodidaktin 1965 in ihr Tagebuch.

Endstation Gasthaus

Tanning und Ernst beziehen zunächst das ehemalige Gasthaus „Dolce Vita“. Doch schon bald beginnt sie mit den Entwürfen für ein ganz neues Haus, das 1970 in der Nachbarschaft bezogen und für Max Ernst die Endstation seines bewegten Lebens werden wird.

1935 hatte sich Dorothea Tanning in New York niedergelassen. Dort war sie 1936 erstmals mit dadaistischen und surrealistischen Werken in Berührung gekommen, von denen von nun an die prägenden Impulse für ihre eigene Arbeit ausgingen. Neben 30 anderen Malerinnen wie Frida Kahlo und Meret Oppenheim war sie 1943 in einer Gemeinschaftsausstellung in Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century vertreten – was Peggys Ehe mit Max Ernst gar nicht gut bekam. Jedenfalls ließ sich Ernst bald darauf scheiden, um 1946 Dorothea Tanning zu ehelichen. Im selben Jahr nahm Tanning neben Größen wie Salvador Dali am Bel-Ami-Wettbewerb teil.

Hierzu hatte sie ihr Bild „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ eingereicht, das als erotische Metapher zu verstehen ist. Später löste sie sich vom Surrealismus und fand ihren eigenen Weg in einem farbbetonten Impressionismus. Ihre erste Einzelausstellung hatte Tanning 1954 in Paris. 1959 war sie Teilnehmerin bei der „documenta II“ in Kassel.

„Happy Birthday Dorothea Tanning“ – unter diesem Motto zeigt die Maison Waldberg bis zum 31. Oktober eine große Ausstellung. Vorgestellt werden Lithografien von ihr und Ernst, unveröffentlichte Fotos, Berichte von Zeitgenossen und andere Dokumente aus ihrem Leben. Die Objekte stammen teilweise aus der ständigen Ausstellung der Maison Waldberg. 26 Originale (Gouachen und Öl), Lithografien, Gravuren und Plakate werden von einem ungenannten Privatsammler beigesteuert. Abgerundet wird die Schau durch etwa 50 Arbeiten des Malers Stan Appenzeller, der von 1955 bis zum seinem Tod 1980 in Seillans lebte.

Sie hasst Geburtstage

„Birthday“ – der Titel der aktuellen Schau ist insofern doppelsinnig, als Tannings bekanntestes Werk eben diesen Namen („Birthday“ von 1942) trägt. „Birthday“ hieß im Jahr 2000 auch die umfassende Jubiläumsausstellung zu Tannings 90stem im Max-Ernst-Museum in Brühl am Rhein, Ernstens Geburtsstadt. Unter dem Titel „Birthday“ war bereits 1986 Tannings Autobiografie erschienen, die 1990 bei Kiepenheuer&Witsch in Deutsch herauskam.

Auch der Regisseur Horst Mühlenbeck, dessen Film über die Malerin 1995 in die Kinos kam, entschied sich für den Namen „Birthday“. „Insomnias“ hieß indessen der Film, den Peter Schamoni 1978 über die Tanning gedreht hatte. 1991 folgte unter Schamonis Regie einen Dokumentarfilm über Leben und Werk seines Freundes Max Ernst („Mein Vagabundieren – meine Unruhe“).

Elisabeth Bouchard von der Gemeinde Seillans berichtet, dass „Dorothea heute ständig zurückgezogen in New York lebt“. Nach Informationen des Brühler Ernst-Museums lebt sie immerhin noch selbstständig in ihrer Wohnung. „Für ihr Alter geht es ihr gut. Sie ist geistig noch voll da“, so eine Museumssprecherin. Und: „Sie hasst Geburtstagsfeiern.“

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