Hamburg - So etwas hat es in der Filmgeschichte wohl noch nie gegeben: Eine ziemlich klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht tagelang die internationalen Nachrichten.
Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte im Dezember den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es zuvor Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben. Doch so schnell, wie der Skandal hochkochte, so schnell schien er auch wieder abzuebben – in den USA war „The Interview“ doch noch vor Weihnachten zu sehen und kommt nun auch wie ursprünglich geplant am 5. Februar in die deutschen Kinos.
Wer nach diesem Wirbel eine hochpolitische Satire erwartet, wird allerdings enttäuscht. Denn das ist „The Interview“ nicht – will es aber auch nicht sein. Stattdessen inszenieren die Regisseure Evan Goldberg und Seth Rogen eine kurzweilige Groteske, die immer wieder ins Klamaukige abgleitet. Kein Wunder: Der 32-jährige Rogen, der neben Hollywoodstar James Franco eine der Hauptrollen übernahm, ist als Komiker bekannt.
So ist dann auch die Geschichte von „The Interview“ mit ihren absurden Wendungen durchaus unterhaltsam: Zwei US-Journalisten (Franco und Rogen) erhalten die Chance, Kim in Nordkorea zu interviewen. Der Geheimdienst CIA wittert seine Chance und bittet die beiden, den Diktator bei der Gelegenheit umzubringen – doch das läuft gehörig schief, und die beiden Journalisten stolpern durch das Chaos. Spannend ist, dass „The Interview“ auch Wahres anspricht.
Nicht nur Kim-Darsteller Randall Park sieht dem Machthaber ähnlich. Es geht auch um Kims Atomwaffentests, die hungernde Bevölkerung und die Entfernung ungeliebter Kritiker. Es ist bemerkenswert, wie fiktive Groteske und realer Wahnsinn miteinander verschwimmen.
Die Eskalationen haben „The Interview“ eine enorme Aufmerksamkeit verschafft, die die Komödie sonst sicher nie bekommen hätte.
