Tossens - 45 Minuten ohne Pause lieferten sich die 23 Schüler des Wahlpflichtfachs Darstellende Kunst der Klassen 8b und 9c der Tossenser Zinzendorfschule einen verbalen Schlagabtausch zum Thema „Bedeutung“. Den Anlass dazu gab das Stück „Berg der Bedeutung“, das Theaterpädagogin Conny Howell frei nach Roman „Nichts“ von Janne Teller mit den Schülern auf die Bühne brachte.

Eine Schulklasse sucht nach der Sinnhaftigkeit – der Bedeutung – des Lebens. Für die Achtklässler scheint am ersten Schultag nach den Sommerferien alles so wie immer zu sein. Plötzlich packt Pierre Anton seine Sachen wieder ein, steht auf und verlässt mit den Worten „Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich nicht, etwas zu tun“ die Klasse.

Das ist der Stein, der alles ins Rollen bringt, denn Pierre Anton stellt das Wollen und Tun jedes Einzelnen als so radikal überflüssig dar, dass es Widerspruch herausfordern muss. Der Protagonist klettert in einen Pflaumenbaum, um sich dem Nichtstun und der Verspottung seiner Klassenkameraden zu widmen.

Und da trifft sich die Klasse unterm Pflaumenbaum und beratschlagt, was es zu tun gibt, um Pierre Antons Ansicht zu widerlegen. Das von Richard Howell erstellte Bühnenbild aus 50 Europapaletten, die das Kaufhaus Janßen in Schweewarden dankenswerterweise kostenlos bereitstellte, bildet die Kulisse. Pierre Anton thront über allen und verspottet seine Klassenkameraden, die an ihrem Berg der Bedeutung bauen.

Der erste Versuch geht schief, weil sie sich der Dinge bedienen, die anderen wichtig sind; nicht aber ihnen selbst. Der zweite Versuch scheint zu gelingen und artet in eine Spirale von persönlichen Opfern aus, die immer gewagter und gefährlicher werden. Verblüffend oder vielleicht doch verstörend waren die Pakete, beschriftet mit dem jeweiligen aktuellen Opfer, deren Größe so gar nicht in Relation zu ihrem Inhalt stand.

Das ist auch Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel, wenn ein 90-Minuten-Stück nach 45 Minuten vorbei ist, viele wichtige Aussagen auf der Strecke bleiben und der Schlusssatz in Unhörbarkeit verklingt. Schade, dass die Schüler scheinbar nicht bemerkt, gefühlt und verstanden haben, dass sie Teil dieser Geschichte sind oder werden könnten. Vielleicht reichen dafür vier Schulwochenstunden aber nicht aus?

Seit Februar wurde geprobt, die Textsicherheit entstand wohl erst in der letzten Woche und das Verständnis für die Story scheinbar erst am Aufführungsabend selbst. Bei aller Kritik gibt es auch starke Momente im Kampf um Bedeutung. Wenn zum Beispiel Nele, gespielt von Esther Rick, ihre Unschuld für den Berg der Bedeutung verliert und ganz ruhig in eine stumme Allee ihrer Klassenkameraden schreitet oder der Gitarrenspieler Paul (Julian Naujok) um seinen Finger kämpft, der ihm dann aber doch abgeschnitten wird.

Der Roman „Nichts“ von Janne Teller ist verstörend, aufrüttelnd, schwer verdaulich und ein Renner auf den Jugendtheaterbühnen. Im Stück ist es ist dann auch Nele, die sagt: „Niemand hat uns beigebracht, was Bedeutung ist, deshalb haben wir sie selbst erfunden“.