STEINKIMMEN - Der Erfolg, so sagt Uwe Salzmann, sei jedes Mal verblüffend. Wenn im kleinsten Bundesland Bremen einmal im Jahr Kinder aus Migrantenfamilien zu dreiwöchigen „Sommercamps“ eingeladen werden, dann bringe das für die Teilnehmer im Schnitt „einen Zuwachs an Sprachkompetenz von einem Jahr“. Das habe das Max-Planck-Institut herausgefunden. Eines der drei Camps im Jahr ’07 findet zurzeit im Jugendhof Steinkimmen statt: 43 Kinder lernen, spielen – und schauspielern.

Der Camp-Idee liegt eine ernüchternde Erkenntnis zugrunde: Während der Sommerferien „verlieren viele Kinder ganz gravierend an Sprachkompetenz, ganz einfach, weil sie zu Hause nur ihre Muttersprache sprechen“, so Salzmann. Der gelernte Opernsänger und Schauspieler spricht Russisch, Englisch, auch Polnisch – und zählt in Steinkimmen zu den zehn Betreuern. Sein Part ist das Spiel- und Sportprogramm am Nachmittag.

Vorher allerdings wird gebüffelt. Der Ablauf des Vormittags: 7.45 Uhr aufstehen, 8.30 Uhr Frühstück, 9.45 Uhr Morgenkreis, 10 bis 13 Uhr Unterricht in Deutsch und auch im Theaterspiel. Handy, Fernsehen oder Gameboy sind während des Camps tabu. Salzmanns Erfahrung: „Am Anfang wissen die Kinder nichts mit sich anzufangen. Am Ende wollen manche gar nicht mehr weg.“

Dabei erinnern die klaren Camp-Regeln zunächst ein bisschen an Drill. „Keine Gewalt, auch nicht mit Worten“, heißt es da. Oder: Was Erwachsene sagen, wird gemacht. Viele der jungen Teilnehmer sei „unerzogen“, gibt Salzmann zu bedenken. „Die 68er Weicheier-Pädagogik hat’s nicht gebracht. Kinder brauchen Strukturen, Grenzen, sonst benehmen sie sich grenzenlos.“ Die Regeln würden im Laufe des Tages bei Bedarf immer aufs Neue wiederholt, gegebenenfalls müssten sie mehrmals abgeschrieben werden.

Seiner Erfahrung nach zahlt sich solche Konsequenz aus. „Die Kinder bekommen ganz viel soziale Kompetenz beigebracht.“ Da setze auch der Effekt ein, dass sie sich selber erziehen. Nach vorigen Camps hätten sich mitunter Eltern gemeldet, weil sie ihre Sprösslinge kaum wiedererkannt hätten.

Inhaltlich befassen sich die Kinder beim Lernen mit einem Buch aus der Feder von Cornelia Funke: „Potilla und der Mützendieb“. In diesem Buch wird gelesen, auf seiner Basis wird ein Theaterstück entwickelt.