STENUM - Wenn Kay Sachse aus Stenum wissen will, was in Nepal los ist, drückt er die 681 – und schon flimmert TV Nepali über den heimischen Fernsehbildschirm. Ähnlich ist es bei Bangla TV, einem Sender aus Bangladesch. Drei Tasten auf der Fernbedienung gedrückt und siehe da – gestochen scharfes Bild.
Insgesamt weit über 1000 frei empfangbare Fernsehsender aus der ganzen Welt kann der ehemalige Fernmeldeoffzier der Marine mittlerweile vom heimischen Sessel aus schauen. Er nutzt dafür drei Satellitenschüsseln sowie eine Hausantenne und seinen Kabelanschluss. „Andere Leute sammeln Briefmarken“, sagt Sachse, „bei mir sind es eben Fernsehsender.“ Auf dem Stubentisch liegt neben zwei Fernbedienungen eine mehrseitige Liste aller Sender – für den schnellen Zugriff auf das russische Staatsfernsehen, afghanische Sender oder Neuigkeiten aus Argentinien.
Vor einiger Zeit ist dann jedoch Unordnung in das ausgeklügelte System gekommen: „Kabel Deutschland hat offenbar begonnen, Frequenzbereiche, die bislang nur dem Antennenfernsehen vorbehalten waren, für sich zu nutzen“, erläutert der ausgebildete Radio- und Fernsehtechniker, der sich seit Kindesbeinen für Technik interessiert. Der Effekt: „Es kommt zu Überlagerungen zweier Sender auf einer Frequenz und das Bild ist gestört oder gar nicht empfangbar.“ Als Beispiel nennt Sachse den Kanal 22 (UHF) aus Bremen: „Der Sender Bremen strahlt darüber das Erste, Radio Bremen, Phönix und Arte aus – und Kabel Deutschland sendet auf dem gleichen Transponder WDR.“
„Natürlich“, sagt Sachse, „könnte ich jetzt immer am Fernseher das Antennenkabel umstöpseln oder mich für eines von beiden entscheiden. Aber das will ich nicht.“ Er wolle das gesamte frei empfangbare Angebot wie bisher weiter nutzen. Bislang hatte er nämlich alle seine Senderquellen – ob nun Schüssel, Antenne oder Kabel – im Keller zusammengeführt und durch eine einzige Leitung nach oben ins Wohnzimmer geschickt. „Seit Kabel Deutschland die Frequenzen von anderen stört, funktioniert das aber so nicht mehr“, erklärt Sachse.
Seine E-mails an das Unternehmen blieben erst lange unbeantwortet, dann wurde er unter Hinweis auf den technischen Inhalt seiner Briefe vertröstet, um nach mehreren Monaten schließlich eine Antwort zu erhalten. „Die haben mir einfach eine Programmbelegungsliste für Stenum geschickt“, ärgert sich Sachse. Dabei habe er einfach nur wissen wollen, ob das Unternehmen nun auch Antennenfrequenzen nutze, um an anderer Stelle Platz für schnelle Internetverbindungen zu schaffen. Die Pressestelle von Kabel Deutschland war jedoch für Rückfragen am Donnerstag nicht zu erreichen.
„Ich würde ja auf den Kabelanschluss verzichten und die 160 Euro sparen“, sagt Kay Sachse, „aber meiner Frau zuliebe werde ich den Vertrag wohl behalten.“ Die schätze nämlich den Bedienkomfort und scheue das Hantieren mit zwei Fernbedienungen.
Den alten Stand der Technik hat der findige Bastler mittlerweile auch wieder hinbekommen: „Das habe ich ausgetüftelt – aber der Normalkunde wäre da aufgeschmissen.“
