STENUM - Harry Potters Zauber begann zu wirken, als Paul Lüdemann sieben war: „Da habe ich das erste Buch gelesen“, erinnert sich der 15-Jährige. Seitdem hat ihn die magische Welt von Hogwarts nicht mehr losgelassen: Selbstverständlich kennt der Gymnasiast aus Stenum inzwischen alle sieben Bände in- und auswendig, den letzten hat er sogar auf Englisch gelesen, er tauscht sich mit anderen Potter-Anhängern auf Fantreffen und in Internet-Foren aus und hat natürlich alle bisherigen Verfilmungen der Bücher von Joanne K. Rowling gesehen – Paul Lüdemann ist zweifellos einer der größten Harry-Potter-Fans in der Gemeinde Ganderkesee.
Nicht verwunderlich also, dass er den sechsten Film der Reihe, der am Donnerstag in die Kinos kam, schon angeschaut hat – am Mittwochabend bereits, bei der Premierenvorstellung von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ in Bremen. Eine Studentin, die unter dem Pseudonym „Coldmirror“ eigene Harry-Potter-Synchronisationen produziert und auf der Videoplattform Youtube ins Internet stellt, hat Paul und seinem Bruder Leo (11) die Karten besorgt.
Es wurde spät für die beiden Jungen, erst nachts um 1 Uhr waren sie wieder zuhause, aber es hat sich gelohnt: „Der Film ist nah an der Story, und viele kleine Einzelheiten wurden übernommen“, lobt Paul, den besonders auch die Situationskomik in „Potter 6“ begeistert hat. Und dass die Action diesmal ein wenig hinter dem Thema Pubertät und Liebe zurücksteht, findet er gar nicht schlimm: „Das ist im Buch ja genauso“. Nur die latente Bedrohung durch Bösewicht Lord Voldemort, die im Buch stark zum Ausdruck komme, hat er im Film vermisst.
Auf jeden Fall ist der „Halbblutprinz“ für Potter-Kenner Paul „eine klare Steigerung“ gegenüber den vorherigen Filmen. „Von Teil vier und fünf war ich ein bisschen enttäuscht“, erzählt er. Besonders den vierten Band „Harry Potter und der Feuerkelch“ – sein Lieblingsbuch – fand er auf der Leinwand „schlecht umgesetzt“. Und Teil fünf („Der Orden des Phönix“) sei „das längste Buch, in dem am meisten passiert, war aber einer der kürzesten Filme“, doziert er. Gefallen haben ihm aber jedes Mal die Schauspieler, besonders Rupert Grint, der Harrys Freund Ron spielt.
„Ein bisschen ärgerlich“ findet es der begeisterte Leser, dass die Bilder auf der Leinwand nicht immer denen entsprechen, die er im Kopf hatte: „Sirius Black oder Professor Lupin hatte ich mir zum Beispiel ganz anders vorgestellt“, sagt Paul. Seine „absolute Lieblingsfigur“ ist aber der düstere Professor Snape.
Dieser erweist sich im letzten Band der Reihe doch noch als Harrys Helfer. Auch deshalb freut sich Paul schon auf Film Nummer sieben. „Der soll in zwei Teilen gezeigt werden“, hat er erfahren – und zeigt sich nicht nur versiert als Hogwarts-Experte, sondern auch als Kenner ökonomischer Zusammenhänge: „Das kommt dem Film zugute“, glaubt der 15-Jährige, „und auch dem Portemonnaie der Produktionsfirma Warner Brothers.“
