Jever - Jeder muss sterben, deshalb ist der Tod eigentlich eine ganz natürliche Sache – und dennoch haben die meisten Menschen Angst vor dem Sterben. „Das Sterben wird heute weit weg geschoben“, konstatierte Professor Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums Sander, bei der Finissage zur Ausstellung „Der Tod“.
In einer Gesprächsrunde befassten sich Cornelia Welp vom Bestatterverband, Norbert Stieglitz von der Hospiz-Initiative, Palliativmediziner Dr. Klemens Kretschmer, Irene Müller, Leiterin des Friedel-Orth-Hospiz Jever, und Pastor Volker Landig mit dem Sterben.
Noch vor zwei Generationen gehörte das Sterben zum Alltag, die Familie wusste damit umzugehen, Sitten und Gebräuche gaben einen festen Rahmen vor. Und „früher wurde früher gestorben“, sagte Dr. Kretschmer: Ärzte stellten die Diagnose, dass das Leben zu Ende geht, auch aufgrund fehlender Behandlungs-Möglichkeiten deutlich früher als heute.
Dank der modernen Medizin ist das Sterben heute weitgehend schmerzfrei, die Bestatter bieten ein „Rundum-Sorglos-Paket“ und entlasten die trauernden Angehörigen – und dennoch stehen Sterbende und ihr Umfeld dem Tod ängstlich gegenüber.
Cornelia Welp berichtete von vielen Ängsten der Hinterbliebenen: Darf man den Toten zu Hause aufbahren oder muss er sofort abgeholt werden, darf man beim Waschen und Einsargen helfen? – „wir Bestatter nehmen den Angehörigen durch Rituale die Furcht vor dem toten Menschen“, sagte sie.
Und wie sieht „gutes Sterben“ heute aus? „Man muss sich klar machen, dass man stirbt und mit seinem Leben abschließen – Sterben braucht Zeit“, betonte Dr. Kretschmer. Diese Zeit werde den Sterbenden und ihren Angehörigen im Hospiz gegeben, berichtete Irene Müller. Hilfe beim Umgang mit dem Tod geben auch heute noch Rituale, meint Landig. „Wie komme ich dahin, selig zu sterben – also dankbar, zufrieden und nicht zornig“, sei eine wichtige Frage.
Er kritisierte, dass der Tod Anonymisiert und zur Familiensache wird: „In Familienanzeigen stehen oft Sätze wie ,Beisetzung im engsten Familienkreis‘ oder ,keine Beileidsbekundungen am Grab‘, zudem werden von Angehörigen oft nur noch Vornamen genannt – das sind distanzierende Signale, die der Trauerarbeit entgegenwirken.“ Dadurch sei niemandem geholfen, meint Landig.
„Der Tod ist etwas ganz normales – man muss sich eben damit auseinandersetzen“, betonte Stieglitz.
