• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Akademie würdigt auch die Provokation

11.10.2019

Stockholm Doppelte Auszeichnung für die mitteleuropäische Literatur: Der österreichische Schriftsteller Peter Handke und die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk werden mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Handke erhält den Preis für das Jahr 2019, Tokarczuk wird mit dem nachgeholten Preis für 2018 geehrt, der wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie ausgefallen war.

Die Preise werden am 10. Dezember in Stockholm verliehen. Neben der prestigeträchtigen Nobelmedaille und einer Urkunde erhalten die beiden Gewinner ein Preisgeld von jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830 000 Euro). Zuletzt war der Literaturnobelpreis 2017 dem in Japan geborenen Briten Kazuo Ishiguro zugesprochen worden.

Dem neuen Ständigen Sekretär der Akademie, Mats Malm, steht die Anspannung sichtlich ins Gesicht geschrieben, als er die Preisträger am Donnerstag zunächst auf Schwedisch, dann auf Englisch verliest. Der 76-jährige Handke wird dafür geehrt, dass er mit seiner Arbeit „mit linguistischem Einfallsreichtum die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung erforscht hat“.

Der Österreicher habe sich seit seinem 1966 erschienenen Debütroman „Die Hornissen“ mit Werken in verschiedenen Genres als einer der einflussreichsten Schriftsteller der europäischen Nachkriegszeit etabliert, sagt der Vorsitzende des Nobelkomitees, Anders Olsson. Von Handke stammen Werke wie „Publikumsbeschimpfung“, „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und „Der Himmel über Berlin“.

Die 57-jährige Tokarczuk erhält die Auszeichnung, weil sie mit erzählerischer Vorstellungskraft und enzyklopädischer Leidenschaft Grenzen überschreite. Die Autorin betrachte die Wirklichkeit nie als ein stabiles, immerwährendes Konstrukt. In ihren Romanen stünden sich oft Gegensätze gegenüber, etwa Natur und Kultur oder Mann und Frau. Ihr größtes Werk ist nach Ansicht der Juroren „Ksiegi Jakubowe“ (Die Jakobsbücher) aus dem Jahr 2014.

Handke sei bei dem Anruf aus Stockholm fast sprachlos und sehr gerührt gewesen, verriet Olsson. Die erste österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (2004) reagierte begeistert auf Handkes Ehrung: „Großartig! Er wäre auf jeden Fall schon vor mir dran gewesen“, teilte sie der Nachrichtenagentur APA mit.

Der Schweizer Büchner-Preisträger Adolf Muschg sagte dem Sender SRF1, er rechne es dem Nobelkomitee hoch an, dass Handkes Literatur gewürdigt und seine politische Haltung sowie die „gewisse Macho-Komponente“ in den Hintergrund gerückt würden.

Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei ein großer Tag für die Literatur. Die Entscheidung sei mutig. Angesichts der Auszeichnung von Handke, der ein großer Provokateur sei, sagte er: „Die politische Korrektheit hat eine krachende Ohrfeige erhalten.“

Oft überdeckten politische Querelen Handkes poetisches Temperament. Vor allem als er in den 90er Jahren der serbisch-orthodoxen Kirche beitrat, der Beerdigung von Slobodan Milosevic beiwohnte, dort sogar eine Grabrede hielt und die deutschen Medien für ihre anti-serbische Parteinahme heftig kritisierte, prasselte die Kritik auf ihn nieder. Jahrelang schwelte der Disput zwischen Handke und der deutschen Presse.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.