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Aktualisiert vor 17 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Nobelpreisträger in Rage

07.12.2019

Stockholm Mit gereizten Worten und einer Breitseite gegen Journalisten hat der diesjährige Literaturnobelpreisträger Peter Handke seinen ersten offiziellen Nobelauftritt in Stockholm hinter sich gebracht. Er ziehe das mit einer Kalligraphie von Fakälien verzierte Klopapier, das ihm jemand anonym geschickt habe, den „leeren Fragen“ von Journalisten vor, sagte der österreichische Schriftsteller am Freitag auf einer Pressekonferenz in der Schwedischen Akademie. „Ich schreibe nicht mit Meinungen. Ich habe niemals eine Meinung gehabt, ich hasse Meinungen“, sagte er auf die Frage, ob er seine Ansichten zum Jugoslawien-Konflikt geändert habe. Er möge Literatur, nicht Meinungen.

Handke, der am Freitag 77 Jahre alt wurde, hatte sich in dem Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. Die Vergabe des Literaturnobelpreises an ihn löste international eine Debatte aus.

Auf der Pressekonferenz in der Stockholmer Altstadt erhielt Handke zunächst ein kleines Geburtstagsständchen, ehe er die erste Frage zu der hitzigen Debatte um ihn noch ruhig und beherrscht beantwortete. Als sich die Fragen zum Jugoslawien-Konflikt aber häuften, reagierte der Preisträger zunehmend gereizt.

Die Schwedische Akademie hatte nach ihrem Skandaljahr 2018 diesmal im Oktober gleich zwei Literaturnobelpreisträger verkündet: Die Polin Olga Tokarczuk (57) erhält den Preis für das Jahr 2018, Handke für 2019. Tokarczuks Auszeichnung wurde allgemein gelobt, um Handke dagegen wurde heiß debattiert.

Am Freitag führte die Kontroverse gar dazu, dass ein langjähriges namhaftes Mitglied der Schwedischen Akademie, Peter Englund, erklärte, die Nobelwoche aus Protest gegen die Auswahl von Handke zu boykottieren. „Peter Handkes Nobelpreis zu feiern, wäre von meiner Seite grobe Heuchelei. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe“, teilte er der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ mit.

Tokarczuk äußerte sich auf ihrer Pressekonferenz nicht zur Kontroverse um Handke. Stattdessen richtete sie den Blick auf starke weibliche Stimmen innerhalb der Literatur. „Ich bin stolz, die 15. Frau zu sein, die den Nobelpreis erhält, 110 Jahre nach der ersten Frau Selma Lagerlöf“ sagte sie. „Ich bin davon überzeugt, dass ich ihn nicht bekomme, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich Bücher schreibe.“ Sie gehe fest davon aus, dass es in Zukunft mehr weibliche Preisträgerinnen geben werde.

Ihre Auszeichnung widme sie dem Kampf gegen autoritäre Entwicklungen. „Meine spontane Reaktion ist gewesen, diesen Preis der politischen Bewegung in Polen zu widmen“, sagte sie. „Wir sind eine gespaltene Gesellschaft“, sagte sie über ihr Heimatland.

Am Samstag stehen nun die Vorlesungen der Preisträger in der Akademie an, am Dienstag folgt die feierliche Nobelpreisverleihung. Zur Preisvergabe sind Proteste gegen Handke in Stockholm geplant – ein Fakt, der den Schriftsteller offenbar ratlos zurücklässt. Er habe bereits bei einer Preisvergabe in Oslo vor vier oder fünf Jahren versucht, mit Demonstranten zu sprechen, erzählte er. „Es gab eine Menge „Faschist, Faschist“-Rufe. Ich bin angehalten, wollte mit diesen Damen und Herren sprechen. Aber sie wollten nicht.“ Wenn jemand einen Rat habe, wie er den jetzigen Protesten begegnen solle, dann nehme er diesen gern an.

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