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NWZonline.de Region

Literaturnobelpreis geht an Kazuo Ishiguro

06.10.2017

Stockholm Der britisch-japanische Schriftsteller Kazuo Ishiguro (62) bekommt den Literaturnobelpreis. Er wird für „seine Romane von starker emotionaler Kraft“ ausgezeichnet, wie die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekanntgab. Darin lege er den Abgrund unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt bloß, hieß es weiter. „Was vom Tage übrig blieb“ und „Alles, was wir geben mussten“ gehören zu seinen bekanntesten Werken. Beide Bücher wurden verfilmt.

Kazuo Ishiguro wusste noch nichts von seiner Auszeichnung, als sein Name am Donnerstag in Stockholm verkündet wurde. Sie habe ihn zuvor nicht erreicht, sagte Jury-Chefin Sara Danius dem schwedischen Radio. „Ich werde versuchen, ihn jetzt anzurufen.“

Danius beschrieb Ishiguro als brillanten Romanautor. Er sei „eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka“, ein sehr authentischer Schriftsteller, der seine eigene Ästhetik entwickelt habe.

Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich „begeistert“ über die Vergabe des Literaturnobelpreises an den britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro (62) geäußert. „Die schwedische Akademie hat mit dieser Entscheidung ihr Brett vor dem Kopf in ein Fenster zur Welt verwandelt“, sagte Scheck der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag nach der Bekanntgabe in Stockholm. Scheck weiter: „Ishiguro ist ein idealer Brückenbauer nicht nur zwischen Japan und Großbritannien, sondern auch zwischen der fantastischen Literatur und Science Fiction hin zum bürgerlichen Roman.“

Mit der Ernennung Ishiguros überrascht die Jury erneut. Im vergangenen Jahr hatte sie Rockmusiker Bob Dylan für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition ausgezeichnet. Er habe „den Status einer Ikone“ und einen tiefgreifenden Einfluss auf die zeitgenössische Musik, begründete die Jury damals.

Dylan ließ zwei Wochen lang offen, ob er den Preis annehmen werden, kam dann nicht zur Verleihung nach Stockholm und holte die Auszeichnung erst Monate später ab, als er ohnehin für Konzerte in Schweden war.

Den Preisträger wählt die Schwedische Akademie, die aus Schriftstellern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Historikern besteht, aus fünf Kandidaten auf einer Shortlist aus. Letzte deutschsprachige Preisträgerin war die Schriftstellerin Herta Müller 2009.

Die mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird erst am 10. Dezember – dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) – gemeinsam mit den Nobelpreisen für Medizin, Physik und Chemie in Stockholm verliehen. Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht.

Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück und werden seit 1901 vergeben. Darin legte der Dynamit-Erfinder fest, dass derjenige geehrt werden solle, der in der Literatur im jeweiligen Jahr „das Ausgezeichnetste in idealer Richtung“ hervorgebracht hat.