Stollhamm - Treffen zwischen Bewohnern des Pflegeheims Haus Christa und Musikern gab es häufiger. „Hier wird Musik gelebt“, sagt Mitarbeiter Michael Köster. Musiker waren häufig im Haus. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner selbst musizieren regelmäßig.
„Lesen und Schreiben verbindet“ ist eine Aktion von der Nordwest-Zeitung, dem Bezirksverband Oldenburg und dem Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren. Die Schulen, Tagesstätten und Pflegeheimen setzen die Zeitung individuell ein.
30 Klassen und Gruppen aus dem Oldenburger Land nehmen dieses Jahr teil, darunter das Pflegeheim Haus Christa. Das Pflegeheim ist eine psychiatrische Facheinrichtung.
Doch die Treffen von Horst Rex, Petra Nebel und Wolfgang Köthe mit den Bands „The Muschels“ und „Keep me in your Prayers“ waren doch etwas Besonderes. Denn dabei sind die drei Heimbewohner in journalistische Rollen geschlüpft und haben Interviews mit den Musikern geführt.
Die Idee ist im Rahmen des Projekts „Lesen & Schreiben verbindet“ entstanden.
Thema Musik lag nahe
Schon einige Male haben Bewohner der Einrichtung mitgemacht. Im vergangenen Jahr hatten die Teilnehmer aus Zeitungen Instrumente gebastelt, sagt Petra Nebel. Die Idee, wieder etwas rund um das Thema Musik zu machen, lag nahe. Doch in diesem Jahr wollten die Teilnehmer einen Schritt weiter gehen und selbst journalistisch tätig werden. „Wir haben uns in Nordenham in einer Bäckerei getroffen und über Musik unterhalten“, erzählt Wolfgang Köthe. „Vorher haben wir die Fragen zusammengestellt“, fügt Horst Rex hinzu. Herausgekommen sind zwei Interviews, in denen die Bands Fragen zur Entstehung der Band-Namen, ihrem Sound und ihren peinlichsten Erlebnissen beantwortet haben.
Und natürlich gehört zum Projekt auch die tägliche Lektüre der Nordwest-Zeitung. Die Teilnehmer haben da schon ihre ganz bestimmten Vorlieben entwickelt. „Ich lese die Zeitung, wenn es geht, jeden Tag“, sagt Wolfgang Köthe. Er mag die Rätsel und schaut immer auf die Titelseite, besonders nach dem Zitat des Tages erzählt er. „Und Onno auf Platt, den lese ich gern“, fügt er hinzu.
Petra Nebel liest immer gern das Horoskop und schaut sich die Bilder an, erzählt sie. Außerdem hält sie stets Ausschau nach Musikveranstaltungen und Flohmarktterminen – denn beides hat sie bisher gern besucht.
Bleibende Erinnerung
Horst Rex schaut bei der Zeitungslektüre nach den Leserbriefen und dem Wetterbericht. Obwohl er ursprünglich nicht aus dem Oldenburger Land stammt, kennt er die NWZ schon lange. Als kleiner Junge hatte er Oldenburg besucht. Eine Reklame ist ihm bis heute im Gedächtnis geblieben: „,Oldenburg liest NWZ’ habe ich 1962 am Bahnhof gesehen“, erzählt er.
Auch wenn das Projekt Ende März ausläuft – das Verfassen eigener Artikel hat die Bewohner und Bewohnerinnen zu weiterer journalistischer Tätigkeit animiert. „Wir haben beschlossen, die Hauszeitschrift wieder aufblühen zu lassen“, sagt Michael Köster.
