Hude - Für Gerd Ostermann hat sich der Besuch des Huder Bürgerfestes gelohnt: Mit einem Telefunken-Radio aus den 60er-Jahren unterm Arm verließ er den Hökermarkt in Lencers Garten. „Wozu ich das brauche, erraten Sie nicht“, lachte der 61-Jährige vergnügt. Die Musik aus dem noch funktionsfähigen Radio ertönt demnächst im Stall auf dem Fjordpferde-Hof Ostermann an der Berner Gemeindegrenze. Der Züchter trainiert damit seine bei Veranstaltungen eingesetzten Fjordpferde, die sich an die Geräuschkulisse von Festen gewöhnen sollen.
Der vom Lions Club Oldenburger Geest organisierte Hökermarkt war am Sonntag einer von zahlreichen Anziehungspunkten des Bürgerfestes. Gemeinsam mit dem Kulturverein „Impuls“, der an seinem Stand „Kulturgüter“ – vor allem Bücher, Schallplatten und CDs – verkaufte, stellen die Lions den Erlös für die Gründung eines integrativen Musikprojekts zur Verfügung.
Rund 30 Vereine und Verbände präsentierten beim Bürgerfest ihre Arbeit, kümmerten sich um das leibliche Wohl der Gäste oder boten Aktionen zum Mitmachen an. Besonders handfest ging es dabei bei den Kampfkunst-Vorführungen des Vereins für Traditionellen Budosport zu: Für Staunen sorgte dabei Weltmeister Alex Hartmann, dem einige Männer aus dem Publikum Faustschläge auf die angespannte Bauchmuskulatur versetzen durften. Hartmann steckte das, ohne mit der Wimper zu zucken, weg.
Streicheleinheiten gab’s dagegen beim Kaninchenzüchterverein I 104: Flauschige Kaninchen durften von Kindern beschmust werden.
Fester Bestandteil des Bürgerfestes ist die Fundsachen-Versteigerung der Gemeinde: Auktionator Oliver Gall vermittelte schlagfertig u. a. 37 Fahrräder, drei Handys, zwei Brillen und eine Bernsteinkette an neue Besitzer – über den Erlös in Höhe von 897,50 Euro freut sich die Jugendabteilung des FC Hude.
Nicht mehr wegzudenken ist das Shantychor-Treffen: Die „blauen Jungs“ aus Hude hatten am Sonntagnachmittag den Stedinger Shanty-Chor und den Seemannschor Vegesack zu Gast.
Auf der selben Bühne hatten in der Nacht zuvor die Partyband „Promise“ und DJ Paddy für beste Stimmung gesorgt. Mit der Resonanz, und vor allem mit dem neuen Bühnen-Standort auf dem Bahnhofsvorplatz, zeigte sich Veranstalter Peter Burgdorf sehr zufrieden: „Nicht nur der Aufbau lief für uns viel entspannter ab, hier haben wir auch deutlich mehr Platz.“ Vom Extra-Zelt vor der Bühne profitierten die Party-Gäste bei kühlen Nacht-Temperaturen dank der Heizstrahler ebenso wie die Shanty-Freunde, die sich nachmittags über den Sonnenschutz freuten.
Insgesamt ist der Bürgerfest-Sonnabend vergleichsweise gut besucht gewesen, konnte allerdings mit dem vom spätsommerlichen Wetter begünstigten Sonntagsansturm nicht mithalten. Uwe Schubert vom veranstaltenden Gewerbe- und Verkehrsverein schätzte die Zahl der Menschen, die allein am Sonntag durch den Ort flanierten, auf mehr als 10 000. Das Verschieben des Veranstaltungsbereiches in Richtung „Auf der Nordheide“ habe sich bewährt, so Schubert. Weil dadurch Stellplatzflächen bei Aktiv/irma und Lidl nutzbar wurden, habe sich die Parksituation in den angrenzenden Nebenstraßen deutlich entspannt.
Der Besucherandrang sorgte auch für zufriedene Mienen bei den Einzelhändlern, die sich am verkaufsoffenen Sonntag beteiligten.
