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NWZonline.de Nachrichten Kultur

DESIGN: Streit um unscheinbaren Hocker

12.01.2005

DüSSELDORF Marcel Breuer hatte den Stahlrohrhocker 1926 für die Kantine des Bauhauses entworfen. Nun streiten sich zwei Firmen um die Verwertungsrechte.

Von Thomas Schöne DÜSSELDORF - Der Streit um die Verwertungsrechte an Stahlrohrmöbeln des Bauhaus-Architekten Marcel Breuer (1902–1981) beschäftigt wieder die Justiz. Am heutigen Mittwoch steht der unscheinbare Stahlrohrhocker „B 9“ im Fokus. Der Prozess, bei dem sich zwei Firmen aus Niedersachsen und Baden-Württemberg streiten, findet vor dem Landgericht Düsseldorf statt. Der vorangegangene „Hocker-Prozess“ liegt knapp drei Jahre zurück.

Am 30. April 2002 wurden vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf die Hocker-Rechte der Firma Tecta Axel und Werner Bruchhäuser KG in Lauenförde (Kreis Holzminden) zugesprochen. Dem Unternehmen war es gelungen, seine Verwertungsrechte gegenüber der ostdeutschen Firma L. & C. Stendal Metallmöbel GmbH nachzuweisen. Die entsprechenden Verträge waren von Tecta über das Bauhaus-Archiv Berlin mit der damals in New York lebenden Witwe Constance Breuer abgeschlossen worden. Die Richter befanden, dass der von Breuer in den 20er-Jahren entworfene Hocker schutzwürdig sei und kein profaner Alltagsgegenstand (Az: 20 U 81/01).

Dabei geht es auch um enorm viel Geld. Tecta forderte deshalb seinen Mitbewerber Knoll International Deutschland GmbH (Murr/Baden-Württemberg) auf, die Hocker-Produktion einzustellen. Aber die Firma Knoll ist der Meinung, dass sie die älteren Rechte habe. Offenbar zufällig fanden sich bei Foligno (Italien), dem Sitz von Knolls europäischer Produktionsstätte, neue Dokumente, die diese Verwertungsrechte beweisen sollen. Am 15. Dezember 2003 reichte Knoll Klage (Az: 12 O 588/03) ein, am 14. Juli 2004 wurde dann die Klage von Knoll noch um eine zur Breuer-Stahlrohr-Tischvariante erweitert.

Knoll produziert einen langen flachen Stahlrohrtisch, über dem der Hocker als zusätzliche Ablage steht, bei Tecta sind es vier Hocker, die auch als Tischchen benutzt werden können und sich ineinander schieben lassen. Ursprünglich hatte Breuer seinen Hocker 1926 für die Kantine im Bauhaus in Dessau entwickelt.

Eigentlich hatte der Verlierer, die ostdeutsche Firma L. & C., gehofft, dass die Rechte bei der Stadt Dessau liegen und nicht mehr wie bisher von der Bauhaus Archiv GmbH Berlin vergeben werden können. Das Düsseldorfer Gericht hatte zumindest beim Hocker entschieden, dass diese Stahlrohrschöpfung nicht zum Aufgabengebiet Breuers beim Bauhaus in Dessau gehörte.

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Aber Ostdeutschland sieht vom lukrativen Bauhausgeschäft bislang kaum einen Cent. Eine vom Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt vor vier Jahren für rund 93 600 Euro angefertigte Studie über unbekannte Bauhausobjekte ist bisher unter Verschluss geblieben. Dabei sollte die Studie dem einheimischen Mittelstand helfen, unter dem 1999 europaweit geschützten Label „bauhausdessau“ geeignete Bauhausprodukte wieder zu produzieren.

Im Westen ist als Folge der deutschen Teilung das „Bauhaus Archiv Museum für Gestaltung“ zum Hüter der Lizenzen aufgestiegen. Durch die Vergabe von Nutzungsrechten für den Nachbau von Bauhaus-Gebrauchsgegenständen an westdeutsche Firmen ist die Einrichtung am einträglichen Geschäft beteiligt. Bauhaus-Objekte, beispielsweise frei schwingende Stahlrohrstühle oder Lampen, sind bis heute trotz hoher Preise weltweit begehrt.

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