Bremen - Zu Anfang werden „belehrende“ Texte über die Seefahrer eingeblendet, die um das Kap der Guten Hoffnung einen Seeweg nach Indien suchten, dazu grell-bunte Zeichnungen wie von kitschigen Filmplakaten. Das lenkte doch erheblich von der Ouvertüre zu Wagners „Der fliegende Holländer“ ab, die Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker so glanzvoll musizierten.
Video-Einspielungen gab es immer wieder – und eigentlich waren sie alle entbehrlich. Das waren aber schon alle „Sünden“ in der spannenden Inszenierung von Sebastian Baumgarten. Er bewegt sich in seiner Deutung in romantischen Gefilden, angereichert mit Ironie und mit der Freude an surrealistischem Bühnenzauber. Das drückt sich auch in den sehr fantasievollen Bühnenbildern von Thilo Reuther aus.
In der ersten Szene ist alles in rötliches Licht getaucht, durch wallende Nebel suchen Dalands Matrosen mit Laternen die Orientierung. Beim Auftritt des Holländers tut sich ein diabolischer Schlund wie in einer Geisterbahn auf, aus dem der Holländer auftaucht.
Er sieht zunächst aus wie der Kraftkarl vom Jahrmarkt. Erst wenn er bei Senta seine Aufwartung macht, hat er sich in ein respektables Mannsbild verwandelt, wenn auch vielleicht nur in der verklärenden Wahrnehmung Sentas. Denn im dritten Akt, wenn sich Sentas Schwärmerei in Liebe verwandelt hat, erscheint er wieder leicht verformt. Auch die Matrosen des Holländers sind lemurenartige Wesen, die sich bevorzugt auf dem Boden wälzen. Vielleicht ist jahrhundertelange Seefahrt doch nicht so gesund.
Die Spinnstube zeichnet Baumgarten mit hübscher Ironie, die Wände sind leicht verrückt und der Schwarm der durcheinander wuselnden Teenager ist es vielleicht auch.
In der Titelpartie machte Carsten Wittmoser mit kernigem, gut sitzendem Bariton nachhaltigen Eindruck. Er sang sehr ausdrucksvoll und konnte große Bögen spannen. Hervorzuheben ist seine makellose Diktion.
Patricia Andress begeisterte mit einer fulminanten Senta – durchschlagskräftig in jeder Lage und sicher in der Höhe. Sie machte den Umstand, dass Senta ein blutjunges Mädchen ist, absolut glaubhaft. Luis Olivares Sandoval schien sich mit viel Schmelz und Wohllaut als Erik ebenso wohl zu fühlen wie bei seinen italienischen Partien. Loren Lang hatte als Daland in der Tiefe nicht mehr soviel Substanz. Trotzdem erfüllte er die Partie noch ansprechend. Das kann man über Christian Andreas Engelhardt leider nicht sagen, der als Steuermann der Partie fast alles schuldig blieb.
Die Bremer Philharmoniker haben sich häufiger mit Richard Wagner auseinandergesetzt. Und so war auch dieser „Holländer“ im orchestralen Bereich mitreißend und klangschön. Markus Poschner weiß als Dirigent genau, wo er die Akzente setzen muss und wo er die Schleusen öffnen kann, etwa im dritten Akt, wo Chor und Orchester in beeindruckender Orkanstärke musizierten.
